Jahrgang 
93 (1990) / N.S. 44
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Zu fragen bleibt hier, wie stark die hier nur knapp umrissene bür-gerliche Lebenshaltung mit dem städtischen Lebensstil korreliert.Darf ,, städtisch überhaupt mit bürgerlich gleichgesetzt werden,da wir doch selbst schon für Mittelalter und frühe Neuzeit zahlrei-che Gruppen nichtbürgerlicher Stadtbewohner kennen von denEinwohnern und Budnern über die Geistlichen und die Adligen bishin zum Industrieproletariat des 19. Jahrhunderts. Und wie sieht esvice versa aus- darf ,, bürgerlich mit städtisch gleichgesetzt wer-den? Welchen Stellenwert gibt man aber dann etwa dem protestan-tischen ländlichen Pfarrhaushalt, der geradezu zum Prototyp desbürgerlichen Wertekatalogs, zur Stadt im Dorf", hochstilisiertworden ist? Auch die nichtbäuerliche ländliche Oberschichtlandsässiger Adel und höhere Verwaltungsbeamte, wohlhabendeKaufleute u. a. dürfte sich eher ihren städtischen Standes- undBerufskollegen als der besitzbäuerlichen Oberschicht verwandtgefühlt haben.

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Diesen und ähnlichen Fragen sind volkskundliche Untersuchun-gen nachgegangen, die sich unter dem gängigen Begriff der Stadt-Land- Beziehungen subsumieren lassen. Der Terminus, Stadt-Land-" bzw. Stadt- Umland- Beziehungen steht für einen viel-schichtigen Komplex. In wenigen anderen interdisziplinär bearbei-teten Forschungsfeldern sind die theoretischen Vorgaben so ein-deutig wie hier. Zwei theoretische Konzepte sind es vor allem, diehierzu von nahezu allen beteiligten Wissenschaften mehr oderweniger intensiv rezipiert worden sind und die sich zudem nochüberzeugend ergänzen. Auf der einen Seite das( ökonomische)Gleichgewichtsmodell des Johann Heinrich von Thünen, das dasLand als Versorgungsraum der Stadt sieht, auf der anderen Seitedie Theorie der zentralen Orte des Geographen Walter Christaller,die die Stadt als Versorgungszentrum des Landes zugrunde legt³8.

Auch die Volkskunde hat beide theoretischen Konzepte mitGewinn in ihre Forschungen aufnehmen können und sie in geglück-ter Verbindung mit Fragestellungen der Kulturraum- und der Inno-vationsforschung zu weiterführenden Modellen entwickelt 39. Ichmuß es mir hier versagen, Ergebnisse über die kulturellen Stadt-Land- Beziehungen in der Neuzeit ausführlicher darzulegen. Nureinige wesentliche Punkte, wie sie sich etwa im Bereich der beson-ders intensiv erforschten Wohnkultur ergeben, seien herausgegrif-fen.

Die kulturelle Strahlfunktion der Städte nahm mit wachsenderStadtferne signifikant ab. Im Bereich der Wohnausstattung, in

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