im sehr starken Maße indisches Leben und volkstümliche Vorstellungen und Glau-bensformen wider. Man erfährt nicht nur vom Totenreichweiter unten amGangesfluß...“ vom Divali- Fest und anderen typischen Phänomenen Indiens.Besonders hübsch ist das Kettenmärchen Nr. 21,, Die Natra der Laus" mit bei unsungewöhnlichen Zwischengliedern.
Insgesamt ist der Band sehr gut gelungen und eine wirkliche Bereicherung unsererKenntnisse von dem, was in Indien an Oralliteratur noch im Umlauf ist. Man hättesich lediglich noch eine Karte gewünscht, um die Landschaft, aus welcher die Textestammen, besser lokalisieren zu können.
Felix Karlinger
,, Sundeipnon", Festschrift für Dimitrios S. Lukatos. Ioannina 1988, 366Seiten, 25 Abb. auf Taf.
,, Sundeipnon", also Festmahl, an dem der Geehrte selbst teilnimmt und mitfeiert,lautet der sinnige Titel einer Festschrift zum 80jährigen Geburtstag des Volkskunde-Emeritus der Universität Ioannina und seit vielen Jahren Präsidenten der Griechi-schen Volkskundlichen Gesellschaft, Dimitrios S. Lukatos, Herder- Preisträger( 1981) und korrespondierendes Mitglied der Akademie der Wissenschaften vonPalermo( 1978), dargebracht von ehemaligen Schülern an der Universität der epiro-tischen Hauptstadt aus dem Zeitraum 1964-1969, zu der er selbst auch einen Beitragliefert. Der Prolog stammt aus der Feder seines Nachfolgers Michalis Meraklis.Minas A. Alexiadis hat die Biographie und Werkbibliographie zusammengestellt( S. 9-55): fast ein halbes Tausend Veröffentlichungen zu fast allen Spezialbereichender Volkskunde. Lukatos war nach dem Zweiten Weltkrieg einer der ersten, der sichmit der bürgerlichen Volkskunde und der rezenten Stadtvolkskunde auseinanderge-setzt hat. International bekannt ist er vor allem durch seine Sprichwortstudien( dasinternationale Periodikum„ Proverbium" hat ihm 1985 einen Ehrenband gewidmet),in Griechenland ist er einem großen Leserkreis bekannt durch seine„ Einführung indie griechische Volkskunde"( 1977, 1978, 1985), durch viele Zeitungsbeiträge unddurch unermüdliche Öffentlichkeitsarbeit( seine jüngste fünfbändige Artikelsamm-lung zum Jahreslauf wird noch gesondert zu besprechen sein). Auch seine theoreti-schen Beiträge, stets vom französischen Esprit gekennzeichnet, sind internationalbekannt: sein Lagebericht zur griechischen Volkskunde 1970( État actuel des étudesfolkloriques en Grèce. Actes du II Congrès Internat. des études sud- est Euro-péennes. Bd. 1, Athen 1972, S. 551-582) sowie sein wegweisender Artikel zur Tou-rismus- Volkskunde( Folklore and Tourism in Greece. International FolkloreReview 2, 1982, S. 65-69). Seine frühen Beiträge galten vor allem der Volksliteraturseiner Heimatstadt Kefallonia:„ Volkskult auf Kefallonia“( 1946, ins Französischeübersetzt von Jean Malbert 1950) ,,, Sentenzen aus Kefallonia“( 1952),„ Neugriechi-sche Volkskundliche Texte"( 1957) usw. Lukatos ist einer der wenigen griechischenVolkskundler, die nicht in Deutschland studiert haben, sondern in Frankreich. SeineArbeiten zeichnen sich nicht so sehr durch Gründlichkeit aus, als im Aufspürenneuer Zugänge und neuer Phänomene, in der geistvollen Darlegung und Formulie-rung. Fast 100 wissenschaftliche Veröffentlichungen zur Volksliteratur weist dieWerkbibliographie auf, mehr als 50 zur Brauchforschung. Lukatos hat mehrfachauch komparatistische Ansätze verfolgt und über die Grenzen seines Landes hin-
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