Stefanos D. Imellos, Laografika, Tom. A: Dimodeis paradoseis( Volks-kundliches. Bd. I. Volkssagen). Athen, Eigenverlag, 1988, 313 Seiten.
Der Athener Volkskunde- Professor und ehemalige Direktor des„ Forschungsin-stituts für Griechische Volkskunde" der Akademie Athen, Stefanos Imellos, hat sichentschlossen, seine z. T. verstreut erschienenen wissenschaftlichen Arbeiten zurVolkskunde zu sammeln, zu sichten und herauszugeben. Der erste Band dieser ange-kündigten Reihe umfaßt seine Arbeiten zu Volkssage und-überlieferung( seit 1960),nur wenig überarbeitet und begleitet von neuen einführenden theoretischen Kapi-teln zu Definition und Begriff, zur Gattungsfrage, zu Abgrenzungsproblemen undBeziehungen zu anderen Genres der Volksliteratur wie dem Märchen und demVolkslied, zu Entstehungs- und Traditionsproblemen, zur Kategorienbildung. Aus-genommen ist nur das die Volkssagen und-traditionen betreffende Kapitel seinerDissertation„ Die Volkssagen und die Piraten"( griechisch, Athen, 1968, S.21-110). Wie alle volkskundlichen Arbeiten des Verfassers zeichnen sich auch diesedurch kenntnisreiches Belegen( sowohl in der griechisch- lateinischen Antike wieauch im patrologischen und byzantinischen Schrifttum), durch ungehinderten Stoff-überblick( vor allem auch im rezenten unveröffentlichten Material), durch gewolltenBrückenschlag zu entsprechenden antiken und byzantinischen Phänomenen unddurch das Herausarbeiten der spezifisch griechischen Traditionskontinuität auf vie-len speziellen thematischen Sektoren aus. Eine Besprechung des 29 Beiträge umfas-senden Bandes kann freilich nicht viel mehr bieten als eine thematische Aufzählungder Einzelarbeiten.
Die ersten sechs Kapitel bieten so etwas wie eine theoretische Einführung inBegriff und Phänomen„ paradosis"/ traditio(„ Überlieferung“, im speziellen Sinndann Sage): Kap. 1:„ Terminus, Definition und Begriff der Volkssage“( S. 7-15;bisher unveröffentlicht), Kap. 2„ Die Beziehungen von Sage und Märchen"( S. 14-21; ebenfalls unveröffentlicht; nach Grimm, Lüthi, Röhrich, von Sydowu. a.), Kap. 3,, Sage und Volkslied“( S. 22-41, unter dem Titel„ Verse in den grie-chischen Volkssagen“ wurde der zweite Teil der Studie in deutscher Sprache schonim Wiss. Jahrbuch der Phil. Fak. d. Univ. Athen, 27, 1979, S. 107-115, veröffent-licht, der erste Teil handelt am Beispiel der gebratenen Fische, die auffliegen bzw.am Einmauerungsmotiv die Frage der Vorrangigkeit ab); Kap. 4„ Die Herkunft derSagen"( S. 42-50, hier erstmals veröffentlicht), Kap. 5„ Einteilung der Sagen"( S. 51-58; in gekürzter Form schon in Laografia 31, 1976–78, S. 167-173, die Ver-suche von Politis, Kyriakidis, Megas und Ioannidu- Barbarigu kommentiert), Kap. 6,, Die bisherige Sagenforschung"( S. 60-65, hier zum ersten Mal).
Es folgen darauf Spezialstudien in chronologischer Reihenfolge der Veröffentli-chung, die entweder geographische Teilgebiete systematisch behandeln oder gewis-sen Motivkomplexen in ihren Verzweigungen vom Altertum bis in die neugriechi-sche Volkskultur nachgehen. Darunter ist so manche ,, klassische" Arbeit des Verfas-sers, so z. B. die Studien Nr. 7„ Volkssage auf Naxos“( S. 66–94), die den Sagen-schatz der Insel zum Großteil aus unveröffentlichten Quellen darstellt und ausführ-lich kommentiert( erstmals im Jahrbuch des Volkskundearchivs 11/12, 1958/59, S.200-228), Nr. 8„ Sagenversionen aus Amorgos“( S. 95–97, zuerst im KykladikonImerologion 1965, S. 28-32), Nr. 9,, Anmerkungen zu einer kretischen Volkssage"( S. 98-103, zuerst in den Kongreẞakten des II. Intern. Kretologischen Kongresses,Band 4, Athen 1969, S. 192–197; zum Motiv der Teratogenie durch Leichenschän-dung),
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