Jahrgang 
93 (1990) / N.S. 44
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Hexendruck. Acta Ethnographica, Bd. IV, Budapest 1955, S. 129-169) dienen. DerRezensent muß sich darauf beschränken, in groben Zügen die Aufmerksamkeit aufdie im Buch angeschnittenen Probleme zu lenken. In Ungarn vermischt sich dasHexenwesen im 11.- 12. Jh. mit der Tätigkeit anderer Zauberer( malefici), dochmuß es bei den Ungarn schon früher irgendeinen Hexenglauben gegeben haben,zumal der ungarische Terminus für Hexe( ung. boszorkány) ein Lehnwort alt- tür-kischer Provenienz ist. Seit dem 15.- 16. Jh. werden in den ungarischen Urkundenimmer mehr Hexen im, europäischen Sinn behandelt. Obwohl sich die ungarischeHexe in manchen Beziehungen ebenso darstellt wie die Hexe oder der Alp der Nach-barvölker, meint der Verfasser dennoch gewisse Differenzen zu erkennen. So etwa,, bedrückt" die Hexe nach ungarischem Volksglauben nächtlings nur den Menschen,nach deutschem Volksglauben aber auch Tiere und Bäume.

Die ungarische Hexe kann ihr Wissen von einer älteren Gefährtin mittels Hände-druck erben. Zur Hexe kann jemand durch Verleugnung Gottes und/ oder einBündnis mit dem Teufel werden. Seit dem 17. Jh. wissen wir von Hexenbündnissenund-zusammenkünften. Die Hexe ist an verschiedenen physischen Eigenschaften zuerkennen. Sie kann in der Luft fliegen und in der Gestalt verschiedener Tiere erschei-nen, allerdings muß sie vorher ihren Körper mit einer geheimen Salbe einschmieren.Die Hexe vermag den Menschen in ein Pferd zu verwandeln und darauf zu reiten.Die Hexen treiben ihren Unfug vornehmlich in der Nacht des St.- Georgs- Tages( 24. April): sie verzaubern z. B. die Kühe und nehmen ihnen die Milch weg. Des-halb wird an die Stalltür ein Dornenkranz gehängt, auf die Schwelle des Stalles eineKette gelegt, werden die Kühe mit Weihwasser besprengt, die Tiere mit einer Zau-berpeitsche ausgetrieben usw. Mit dem bösen Blick" können die Hexen sowohlKinder als auch Erwachsene behexen, Säuglinge austauschen und diversen Liebes-zauber betreiben. Männer und Frauen behindern sie durch Binden, z. B. einenverknoteten Zwirn, den sie ins Kissen der betreffenden Person legen; dieser werdendann Hände und Füße verkrüppeln. Hexen können Gewitter und Hagel herbeifüh-ren, mit Hilfe von Bohnen, einem Sieb, gegossenem Wachs oder Blei wahrsagen.Hexen kann man dem Haus fernhalten, indem man eine Axt oder ein Messer in denSturmwind wirft, Salz oder Mohn auf den Weg streut oder einen Besen an dieKüchentür stützt. Weitere Schutzmaßnahmen gegen das Erscheinen und die Aktivi-täten der Hexen: Man stellt ein Messer in siedendes Wasser, nagelt ein glühendesHufeisen an die Hausschwelle, hängt ein weibliches Kleidungsstück über den Rauch,schlägt das Wasser im Tränktrog mit einem Dornenzweig usw. Sterben kann dieHexe erst, nachdem sie ihr Wissen jemandem übergeben hat. Der sterbenden Hexewerden oft glühende Kohlen unter die Sohlen gelegt. Der Sarg einer Hexe kannmühelos zu Grabe getragen werden, da der Teufel ihren Leichnam mittlerweilebereits herausgestohlen hat. Durch zahlreiche weitere Varianten der angeführtenBräuche schildert Á. Szendrey in seinem Werk in anschaulicher Weise den gesamtenHexenglauben. Auch deutsche und verschiedene slawische Varianten dieser Bräu-che führt er uns vor Augen; das Buch ist eine fachkundige Ergänzung der Arbeit vonJ. G. Baroja, Die Hexen und ihre Welt. Stuttgart 1967.

Das Vorwort zur Arbeit des inzwischen verstorbenen Verfassers hat ein anderervorzüglicher ungarischer Folklorist, István Sándor, geschrieben. Zum Schluß dieserBuchbesprechung möchte ich feststellen: Szendrey schrieb sein Buch mit dergeschichtlichen komparativen Methode und konfrontierte das in der Gegenwartwahrgenommene Hexenbild mit ungarischen Angaben aus dem 16.- 18. Jh., ins-

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