Jahrgang 
93 (1990) / N.S. 44
Seite
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Ich muß offen gestehen, daß die Besichtigung dieses Museums zu den größtenErlebnissen meiner langjährigen volkskundlichen Forschungen gehört. DankbareAnerkennung gebührt Hiltraud Ast für den reich illustrierten Wegweiser.

Béla Gunda

József Kotics, Népi méhészkedés Gömörben( Volkstümliche Bienenzucht inGömör)(= Volkskunde von Gömör, Nr. 18). Debrecen 1988, 207 Seiten. Mitdeutscher Zusammenfassung.

Neuerdings sind mehrere wertvolle Bücher und Abhandlungen über die ungari-sche Bienenzucht erschienen; besonders hervorzuheben ist hierbei die Arbeit vonJ. Kotics über die Imkerei des Gömör- Gebietes, das teils zu Ungarn und teils zurSlowakei gehört. Dorfnamen( z. B. ung. Méhi, Bienen, Méhész, Imker) undUrkunden bezeugen, daß die Bienenzucht in dieser Region bereits im 16. Jh. inbeachtlichem Ausmaß betrieben wurde. Der Bienenkorb gehörte zum Grundinven-tar fast jeder Bauernwirtschaft. Auch deutsche Siedler trugen zur Enwicklung derImkerei, des Wachshandels und der Lebzelterindustrie bei. Häufig wird der außer-halb der Siedlung stehende Püngarten( Bienengarten) erwähnt. Immerhin warennoch zu Beginn dieses Jahrhunderts verschiedene Formen der Bienenhaltungbekannt. In den Bienengärten und unmittelbar neben den Wohnhäusern hielt mandie Bienen in Klotzbeuten und Strohkörben; darauf wird oft eine Beiẞzange gelegt,damit die Bienen zorniger werden. Die Klotzbeuten werden mit Schnitzereien( Bienen- und Menschenfiguren) verziert. Die Bienenhäuser können von verschiede-ner Form sein, am häufigsten sind es Gebäude mit Halbdach. Daneben wird aufeinen Pfahl gelegentlich ein Pferdeschädel gesteckt, um die Bienen vor bösen Gei-stern zu schützen. Das Ausschwärmen der Bienen findet gewöhnlich am Josefstag( 19. März) statt. Ins Flugloch wird an diesem Tag eine Wolfskehle, roter Paprika,Thymian oder eine Tollkirsche gelegt. Mit verschiedenen kultischen Handlungen( z. B. die Frau setzt sich auf den Boden, großer Lärm wird geschlagen) will man ver-hindern, daß der Schwarm zu weit wegfliegt. Im Volksglauben sind auch zauberkräf-tige Imker bekannt, die den weggeflogenen Schwarm zum Bienenhaus zurücklok-ken; auch vermochten sie aus der Ferne anzugeben, wenn sich ein Dieb an die Bie-nenkörbe heranmachte, und diesen durch ihre Zauberkraft hindern, die Körbe ausder Hand zu geben, indem diese daran kleben blieben. Auf antiken Traditionenberuht der Brauch, die Bienen im Winter mit gebratenem Hühnerfleisch zu füttern.Der Honig ist bis heute ein wichtiges Nahrungs- und Heilmittel, auch Honigbier wirddaraus zubereitet. Beim Haus des Bräutigams wird die Braut mit Honig bewirtet. Inden Dörfern und Städten der Gömör- Gegend gab es einen bedeutenden Honig- undWachshandel sowie eine blühende Lebzelterindustrie. Die Honig- und Wachshänd-ler fuhren in verschiedene Teile Ungarns, wo sie Honig und Wachs, zumeist imTauschhandel für Sensen, Sicheln, Hecheln oder Weberkämme, erwarben. In die-sem Jahrhundert wird die Imkerei unter den Bauern der Gömör- Gegend zunehmendmodernisiert. Heute sind verschiedene Bienenkästen gebräuchlich. In den Dörfernhaben sich besonders Lehrer, Geistliche und Handwerker durch zahlreiche Innova-tionen hervorgetan. Bereits seit Mitte des 19. Jh. wurden die Interessen der Bienen-züchter von verschiedenen Imkervereinigungen wahrgenommen, die Lebzelter undWachsverarbeiter schlossen sich zu Innungen zusammen.

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