Spur im übrigen, die auch an Hand von Einzelschicksalen faßbar gemacht wird. DerNationalsozialismus hatte zwar das Ende des„ jüdischen Hohenems“ gewaltsam her-beigeführt, aber nach dem Krieg verweilten über einige Jahre hindurch jüdischeFlüchtlinge in der Gemeinde. Thomas Albrich beschäftigt sich in seinem Beitrag mitdiesen„, Displaced People". Aber auch diese trafen auf bekannte und angewandteVorurteile, eine örtliche„ Trauerarbeit“ fand nicht statt. Der abschließende Beitragvon Kurt Greussing„ Der ewige Antisemit- heillos" erweitert das Buch um Wert-volles. Greussing geht es um Vorurteile, genauer um den Bestand antisemitischerund das Zerbröckeln von anderen- etwa ethnischer. Es ist ein interessanterGedanke, daß allein der Antisemitismus sich im Laufe seiner Geschichte zur Weltan-schauung anreichern konnte.
Eine„ Regionalstudie" will das angezeigte Buch sein. Dies trifft auf alle Fälle zu,aber es ist in manchem auch mehr: Es ist paradigmatisch, wie es eben gute Regional-studien sind.
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Ein Nachsatz: In der Volkskunde von Vorarlberg sucht man vergeblich einmalvom Motiv des„ Ewigen Juden" abgesehen die Hohenemser Juden und ihre kultu-relle, soziale und wirtschaftliche Bedeutung. Im Buch, um nur einen Punkt zu nen-nen, wird etwa der Pferdehandel erwähnt. Wer nicht in den Volkskunden Platz fand,der gehörte wohl auch nicht zum Volk. Und damit war auch der fachinterne Wegzum eigentlichen Thema des besprochenen Buches, zum Amtisemitismus, vorgege-ben. Dafür lassen sich ohne Schwierigkeiten viele Belegstellen finden. Eine kriti-sche, volkskundliche Durchsicht tut durchaus not. Immerhin ist es ein Ansatz, daßDreier für seinen Band auch einen Volkskundler, Bernhard Purin, zur Mitarbeit ein-geladen hat.
Reinhard Johler
Hiltraud Ast, Handwerk und Fuhrwerk der Waldbauern. Das Museum inder Alten Hofmühle zu Gutenstein. Gutenstein, Gesellschaft der Freunde Guten-steins, 1989, 48 Seiten.
Eine echte Überraschung für den ausländischen Volkskundler ist das Waldbauern-museum im niederösterreichischen Gutenstein, wo eine umweltkonforme Lebens-form sowie deren altertümliche und merkwürdige Geräte vor Augen geführt werden.Gegründet von Wilhelm Ast, ist das Museum heute in der Alten Hofmühle unterge-bracht. In einem vorzüglichen Wegweiser erörtert Hiltraud Ast im Zusammenhangmit Wald und Gebirge die Bedeutung der örtlichen Hausindustrie und des Fuhr-mannslebens. Den Bauern Gutensteins sicherten den Lebensunterhalt die Bottich-binderei, die Korbflechterei, die Kalkbrennerei, das Rindensammeln, die Bauholz-und Harzgewinnung, die Kohlenbrennerei, die Pechsiederei, die Gabel-, Rechen-,Schindel-, Leiter-, Schleifsteinmacherei usw. Aufschlußreich wird die Tätigkeit derFuhrleute geschildert, die in Richtung Burgenland, Preßburg und ungarische Tief-ebene auch verschiedene österreichische Eisenwaren beförderten. Als Gegenfrachtwurden aus dem Flachland Brotgetreide, Futtermittel, Wein, Obst und Töpferwaremitgenommen. Der Museumsbesucher bekommt auch das harte Leben der Holz-knechte zu sehen.
Die Verwendung der Exponate, die die schwere Arbeit und die Findigkeit derösterreichischen Waldbauern bezeugen, werden größtenteils auch in Filmen gezeigt.
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