Jahrgang 
93 (1990) / N.S. 44
Seite
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Literatur der Volkskunde

Bernhard Streck( Hrsg.), Wörterbuch der Ethnologie.(= DuMont- Taschen-bücher, Band 194). Köln, DuMont Buchverlag, 1987, 338 Seiten.

Heutzutage sind Lexika in keiner einzigen Disziplin entbehrlich. Freilich nützenuns Werke, welche Gegenstände, Bräuche, Institutionen oder sonstiges in 3 bis 5Zeilen definieren wollen, nicht viel. Einen wertvollen Dienst leisten der Wissen-schaft vor allem jene Wörterbücher, welche in größeren thematischen Umkreisendie einzelnen Elemente, Tätigkeiten, Gewohnheiten und Ereignisse zusammenfas-sen, wie etwa das Wörterbuch der Ethnologie, herausgegeben von B. Streck unterEinbeziehung von mehreren vorzüglichen Fachleuten. Jedem Stichwort folgt einemustergültige kleine Abhandlung, nicht zu sprechen von der anspruchsvollen Einlei-tung Bernhard Strecks, der betont, ein Lexikon sei kein alphabetischer Katalog unddiene nicht der taxonomischen Logik, sondern der Bedeutung der Begriffe für dieethnologische Arbeit. Heute ist die ethnologische( und volkskundliche) Forschungschon derart vielfältig, daß sie nachgerade unübersichtlich wird. Doch neben denErgebnissen der Parallelisten, Diffusionisten, Funktionalisten, Kulturmorphologen,Kulturökologen und anderen besteht das Wesentliche darin, daß die grund-sätzliche Differenz..." zwischen der Suche nach Gesetzmäßigkeiten in der Vielfaltfremder Kulturerscheinungen( nomothetischer Richtung) und der Anerkennungihrer Einmaligkeit( idiographische Richtung) durch alle Generationenwechselhindurch erhalten( blieb)( S. 10). Die ethnologische Forschung zeigte sich imdeutschsprachigen Raum nie als kompaktes Gebilde wie in den USA oder in Großẞ-britannien. Schon den künftigen Ergebnissen zuliebe müssen wir den ,, methodischenMethodenpluralismus anerkennen. In diesem Sinne und von verschiedenenAnsatzpunkten her geschriebene vielfältige kleine Abhandlungen finden sich nachStichwörtern geordnet, angefangen mit Ahnen, Alter, Angewandte Ethnologie undArbeit, über Diffusion, Haustier, Hexerei, Kulturanthropologie, Kulturökologieund Magie bis Technologie, Verwandtschaft, Völkerpsychologie, Wanderung, Wild-beuter, Wirtschaft und Zeit.

Es wäre ein Ding der Unmöglichkeit, alle Artikel inhaltlich registrieren zu wollen.Dennoch kommt der Rezensent nicht an einigen Problemen vorbei. Die Domestika-tion des Rentiers erfolgte wahrscheinlich an mehr Stellen als angeführt( S. 77). Beiden Nutzpflanzen wäre der Umstand erwähnenswert gewesen, daß der Flaschenkür-bis die einzige gemeinsame Kulturpflanze der Alten und der Neuen Welt war undnicht nur als Behältnisgefäß, sondern auch als Nahrungsmittel Verwendung fand.

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