Jahrgang 
93 (1990) / N.S. 44
Seite
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Am 22. August 1930 in Wien geboren, studierte er Geologie und Ethnologie.Anschließend führten ihn ausgedehnte Forschungsreisen nach Südostafrika, in dieWestsahara und nach Mexiko. In der Westsahara wandte er sich insbesondere derFelsbildkunst zu, die ihn bereits seit seinem Studium fasziniert hatte und mit der erin jahrzehntelanger Forschungsarbeit verbunden blieb. Sein bedeutendstes Werkauf diesem Gebiet war die bei DuMont erschienene Höhlenkunst der Eiszeit".

Seinen internationalen Ruf verdankte Biedermann aber in erster Linie seineraußergewöhnlichen Fähigkeit, wissenschaftliche Erkenntnisse populär aufzuberei-ten und einer breiten Öffentlichkeit bekanntzumachen. Von 1958 bis 1983 arbeiteteBiedermann als Lektor für Amerikanistik, Völkerkunde und Grenzgebiete der Wis-senschaft bei der Akademischen Druck- und Verlagsanstalt in Graz. In dieser Funk-tion legte er auch selbst eine Reihe von Büchern vor, die ihn über die Grenzen hinausbekannt machten: unter vielen anderen Altmexikos heilige Bücher, Handlexikonder magischen Künste, Lexikon der Felsbildkunst, Medicina magica.

Für seine publizistische Tätigkeit erhielt Biedermann in- und ausländische Aus-zeichnungen. 1984 wurde ihm der Berufstitel Professor verliehen.

Sein 1989 erschienenes Lexikon der Symbole" festigte seinen Ruf als Fachmannauf dem Gebiet der Magie- und Symbolforschung. In seinem letzten Lebensjahr folg-ten aber noch zwei weitere Bücher: Geister, Dämonen und dunkle Götter. EinLexikon der furchterregenden Gestalten sowie eine Publikation über den CodexBorgia, eine Bilderhandschrift aus dem alten Mexiko. Das letztgenannte Bucherschien im November gerade noch rechtzeitig zur Grazer Buchmesse; am Tag vorseinem Tod konnte er noch ein Vorausexemplar in die Hand nehmen.

Das, was Biedermann als Publizisten so auszeichnete, vermochte er auch als Lek-tor voll umzusetzen: Schwierige Randgebiete der Wissenschaft bereitete er für alleleicht verständlich auf. Seine überfüllten Lehrveranstaltungen waren aber nicht nurZeugnis seiner didaktischen Fähigkeiten, sondern sicher auch seiner ihn so kenn-zeichnenden Herzlichkeit und seines Engagements. Sein Interesse an den Vorgän-gen am Grazer Volkskundeinstitut war überaus groß. Man sah ihn nicht nur bei Insti-tutsfesten und-veranstaltungen, sondern auch bei Institutsversammlungen undanderen wichtigen Anlässen. Noch wenige Tage vor seinem Tod demonstrierte erz. B. gemeinsam mit Kollegen und Studierenden in der Hans- Sachs- Gasse gegen dieGefährdung des Lehrbetriebes im Institut durch illegale Bauarbeiten. Mittlerweilehat sich die Lage( zumindest vorläufig) etwas beruhigt. Auch dazu hat Biedermanndas ihm Mögliche beigetragen!

Mit Hans Biedermann verliert das Institut für Volkskunde nicht nur einen Gelehr-ten, der mit großem fachlichen Wissen im besten Sinn populärwissenschaftlich gear-beitet hat, sondern auch einen hervorragenden Lehrer, der bei Kollegen und Studie-renden gleichermaßen angesehen und beliebt war. Die, die ihn näher gekannt haben,verlieren noch viel mehr: einen Menschen, der als Freund und Kollege nicht nurdurch seine vielen Bücher, sondern vor allem durch seine ihm eigene Menschlichkeitunvergessen bleiben wird.

Nachruf auf Edit Fél

Helmut Eberhart

Am 28. Juni 1988 starb nach langer Krankheit in Budapest Dr. Edit Fél, eine derbedeutendsten Persönlichkeiten der ungarischen Volkskunde im 20. Jahrhundert.

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