Jahrgang 
93 (1990) / N.S. 44
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neuen Wirkungsbereich erschlossen. Wie sehr solche Unternehmungen an das Enga-gement des einzelnen Wissenschafters gebunden sind, der bereit ist, neben seinenAmtspflichten solche zusätzlichen Aufgaben zu übernehmen, zeigte sich, als EmilSchneeweis aus gesundheitlichen Gründen 1976 in den Ruhestand treten mußte. Esfand sich kein Nachfolger zur Fortführung dieser Initiative.

Die wissenschaftliche Bibliographie des Verstorbenen läßt erkennen, daß das ein-mal gewählte Interessensgebiet der religiösen Kleindenkmale und die damit ver-knüpften Fragen der christlichen Ikonographie sein bevorzugtes Forschungsfeldgeblieben ist. So konnte Scheeweis seit 1975 auch als Lektor am Wiener Universitäts-institut für Volkskunde diese Kenntnisse weiter vermitteln: sein Lehrangebotumfaßte die Symbolkunde und volkskundliche Ikonographie und darüber hinauseine Einführung in die polnische Volkskultur, zu welchem Thema er durch seinemütterliche Abstammung und frühe Aufenthalte in Polen eine besondere Beziehunghatte.

Eine letzte große Bemühung von Emil Schneeweis galt seiner Habilitation an derWiener Philosophischen Fakultät. Das Verfahren konnte kurz vor seinem Toderfolgreich abgeschlossen und dem Todkranken noch zur Kenntnis gebracht werden.So bleibt die noch unveröffentlichte Habilitationsschrift Bild, Bildstock, Symbol.Zum Problem der Erhebung von Ikonographie, Ikonologie, Hagiographie und Sym-bolik" das Zeugnis eines strebsamen, aber von viel Mühe und Leiden behaftetenLebens.

Die Erinnerung an den verstorbenen Kollegen wird wachgehalten werden, nichtzuletzt durch seine Frau und seine Schwester, die zu den treuesten Mitgliedern desVereins für Volkskunde zählen, und seinen Sohn, Oberrat Dr. Felix Schneeweis,Kustos am Ethnographischen Museum Schloß Kittsee.

Klaus Beitl

Dipl.- Ing. Gerhard Maresch

Am 22. Dezember 1989 ist der Stellvertretende Direktor des TechnischenMuseums Wien, Dipl.- Ing. Gerhard Maresch, in seinem 51. Lebensjahr nach kurzer,schwerer Krankheit gestorben. Der Verstorbene gehörte dem Vorstand des Vereinsfür Volkskunde an.

Dipl.- Ing. Gerhard Maresch war von Ausbildung und Beruf her Techniker. EinTechniker, dessen weitgestecktes geschichtliches und kulturelles Interesse ihn denWeg des Museumsfaches hat einschlagen lassen. Das war in der Persönlichkeit desVerstorbenen, in seiner feinen und stillen Art angelegt. Das war aber auch eine Prä-gung durch das Elternhaus. Die dort empfangenen Anregungen etwa in Gestalt dervon seinem Vater, Professor Ing. Franz Maresch, mit soviel Sachverstand und Begei-sterung aufgebauten alltags- und arbeitsgeschichtlichen Volkskundesammlung fürdie Bergbauerngegend der Loich in den niederösterreichischen Voralpen mögen ihreWirkung getan haben, und die freundlich schlichte Art seiner Mutter KatharinaMaresch, die ihre Wohnung in Wien und den Feriensitz in der Loich zu gastfreundli-chen Mittelpunkten eines Kreises Gleichgesinnter zu machen wußte, hat solche fach-lichen Bestrebungen stets mit einem sympathischen Ambiente umgeben. Das Tunund Wirken der Eltern waren denn auch bestimmend gewesen für die nachhaltige

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