Jahrgang 
93 (1990) / N.S. 44
Seite
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Bd. XXXVII/ 86( 1983), 62–72; E. Burmeister, Historische Gebäude des DorfesAsch(= Baudokumentation, Bd. 16), München 1987, in: ÖZV, Bd. XLI/ 90( 1987),171; K. Conrad, Führer durch das Salzburger Freilichtmuseum. Zweite, erweiterteAuflage, Großgmain 1988, in: ÖZV, Bd. XLII/ 91( 1988), 318.

Nachruf auf Emil Schneeweis

Dr. Emil Schneeweis, Wissenschaftlicher Oberrat i. R. am ÖsterreichischenMuseum für Volkskunde in Wien, ist am 19. Oktober 1989 nach langem, schweremLeiden im 69. Lebensjahr gestorben. In den vergangenen Jahren haben uns immerwieder Nachrichten vom bedrohlichen Gesundheitszustand unseres im Jahre 1975frühzeitig in den Ruhestand getretenen Museumskollegen erreicht. Wiederholtemedizinische Eingriffe haben ihm das Leben verlängert, aber nicht minder beschwer-lich gemacht.

Emil Schneeweis wurde am 24. Mai 1921 in Wien geboren. Er gehörte einem jenerJahrgänge an, deren Männer im Zweiten Weltkrieg, wenn schon nicht das Leben, sodoch die Jugendzeit, die Gesundheit und die Chance auf eine geregelte Berufsausbil-dung dem Kriegsdienst opfern mußten. Das 1939 begonnene ursprüngliche Studiumder Medizin an der Universität Wien mußte wegen der Einberufung zum Reichsar-beitsdienst und zur Wehrmacht 1940 unterbrochen werden. Nach schwerer Verwun-dung während des Afrikafeldzuges geriet Emil Schneeweis in englische Kriegsgefan-genschaft. Noch vor Kriegsende im Winter 1943 wurde er wegen dieser Verwundungausgetauscht und aus der Wehrmacht entlassen. Das wiederaufgenommene Medi-zinstudium muẞte in den wirtschaftlich schwierigen Jahren der Nachkriegszeit 1948endgültig aufgegeben werden. Mit der alsbald erworbenen Ausbildung als Fotograffand Schneeweis 1954 Aufnahme in den Bundesdienst, wo er schließlich die Leitungder Lichtbildstelle der Bundesgebäudeverwaltung Wien I übertragen bekam.

Emil Schneeweis hatte jedoch ein anderes Lebensziel. In seiner Gymnasialzeithatte er sich eine ausgezeichnete humanistische Bildung erworben, und so suchte erdie Möglichkeit, im Jahre 1963 das Universitätsstudium wieder aufzunehmen; dies-mal an der Philosophischen Fakultät die Fächer Volkskunde und Anthropologie. Miteiner späterhin( 1981) veröffentlichten Dissertation zum Thema, Bildstöcke in Nie-derösterreich als Objekte religiös- volkskundlicher Gedankengänge konnte er 1967bei Richard Wolfram promovieren.

1970 erfolgte die Aufnahme in den wissenschaftlichen Dienst des ÖsterreichischenMuseums für Volkskunde, wo er in Nachfolge von Dr. Maria Kundegraber, diedamals in die Steiermark zurückgekehrt war, die Tätigkeit des Bibliothekars über-nehmen konnte. Gleichzeitig gründete Schneeweis im Verein für Volkskunde dieArbeitsgruppe für Bildstock- und Flurdenkmalforschung, deren Leitung er währendseiner gesamten aktiven Dienstzeit bis 1976 innehatte. Er verstand es, einen Kreisvon Fachleuten und interessierten Laien um sich zu versammeln, die in monatlichenZusammenkünften und auf Fachtagungen fruchtbare Beiträge zu diesem Themen-kreis lieferten und darüber hinaus auch auf die praktische Denkmalpflege imUmland von Wien und in den Bundesländern einwirken konnten. Schneeweis hattemit seiner Arbeitsgemeinschaft dem Verein für Volkskunde einen gänzlich

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