Chronik der Volkskunde
100 Jahre Ungarische Ethnographische Gesellschaft
Die Ungarische Ethnographische Gesellschaft,„ Magyar Néprajzi Társaság", hatmit einer zweitägigen Jubiläumssitzung vom 27. bis 28. September 1989 im Kongreẞ-saal der Ungarischen Akademie der Wissenschaften in der Budaer Burg und miteinem anschließenden Exkursionstag für die ausländischen Gäste zum Besuch desungarischen Freilichtmuseums in Szentendre ihr Zentenarium gefeiert. Die gewalt-los- revolutionären Veränderungen des öffentlichen Lebens in Ungarn während dervorangegangenen Wochen und Monate des Jahres 1989 haben diesem Konvent vonannähernd 500 Volkskundlern/ Ethnographen aus allen Komitaten Ungarns und vonGästen aus ost- und- weniger zahlreich- westeuropäischen Ländern das Geprägeverliehen. Es herrschten gelöste Stimmung und die Freude an befreiten und be-freienden Gesprächen.
Die tiefgreifenden Veränderungen des gesellschaftlichen Lebens in Ungarn mach-ten sich unter anderem in dem Umstand geltend, daß die Ungarische Ethnographi-sche Gesellschaft aus der Eingliederung in die Ungarische Akademie der Wissen-schaften bereits lösen und auf der Grundlage des neuen Vereinsrechtes neu konstitu-ieren mußte. Sichtbares Zeichen hierfür war das großformatige Transparent überdem Podium des Kongreẞpräsidiums mit der Wiedergabe des bis zum Jahr 1949 gül-tigen und 1989 rehabilitierten Gesellschaftsemblems in Gestalt der Hungaria mitStephanskrone, Schwert und republikanischem Wappenschild.
Solcher Rechtskontinuität der Gesellschaft steht jene des Faches der Ethnogra-phie in Ungarn gegenüber, die bis heute weitgehend von der Ungarischen Ethnogra-phischen Gesellschaft organisatorisch und publizistisch mitgetragen worden ist undauch heute mitgetragen wird. Das hat Ivan Balassa als langjähriger Präsident derGesellschaft in seinem breitangelegten Vortrag„ Die hundertjährige Geschichte derUngarischen Ethnographischen Gesellschaft" zur Eröffnung der 101. Generalver-sammlung geltend machen können. Seiner Rede ist das Grußwort des Präsidentender Ungarischen Akademie der Wissenschaften, nunmehr in der Rolle des Gastge-bers und nicht mehr des Vorgesetzten, vorangegangen.
Nach einer Reihe von Glückwunschadressen und Grußworten befreundeter Insti-tutionen und Fachkollegen des In- und Auslandes sowie nach Verleihung von wissen-schaftlichen Auszeichnungen, die zu diesem Jubelanlaß zu Recht reichlich ausge-
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