Jahrgang 
93 (1990) / N.S. 44
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die großen Schwierigkeiten, die dies für die Stadt und ihre Bewoh-ner mit sich brachte, sind bei vielen Gmündern noch wach:

Die Sperre der Grenze mit dem ganzen Flüchtlingselend, wo über Nacht prak-tisch die Bevölkerung von Gmünd mehr als verdoppelt worden ist,... das vieleElend, jedes Haus überfüllt, jede Wohnung doppelt und dreifach belegt..."( Gewerbetreibender, 53)

,, Da vorn, bei der Brücke,... in der Mühle... da haben die Flüchtlinge drinnengewohnt, einer hat sich aufgehängt, einer hat sich ertränkt, die waren so verzweifelt,die sind nur mit einem Binkerl gekommen, dreißig Kilo haben sie mitnehmen kön-nen,... das war ein Jammer, nicht zum Sagen( Pensionistin, 83)

Die nunmehrige Öffnung der Grenze und die Konfrontation mitden tschechoslowakischen Besuchern lassen Bilder aus der Vergan-genheit auftauchen. Die Reaktionen der Gmünder werden zumIndikator dafür, inwieweit es ihnen gelungen ist, diese Vergangen-heit, ob persönlich oder kollektiv erlebt, aufzuarbeiten und zubewältigen.

Eine 81jährige ehemalige Sudetendeutsche, die nach der Fluchtmit ihrer Familie in Gmünd geblieben ist, versucht, ihre Empfin-dungen, die sie heute hat, wenn sie die Tschechoslowaken inGmünd sieht, in Worte zu fassen:

,, Schaun S', das ist so: Ich bin ein Christ, die jungen Leute können ja nichts dafür,und die Alten, da sind ja schon viele gestorben, ein paar werden schon noch sein,... sind auch viele drunter, die das ja nicht wollten, aber die haben ja müssen.

sind lauter so junge Leute, die waren ja noch gar nicht auf der Welt... dastehen s' und fotografieren ihre Heimat von der Seite, da find ich keinen GrollAber, mein Gott, freilich sagt man sich, uns haben s' rausghaut, haben uns allesweggenommen

Ihre Tochter, 1939 geboren, schildert, woran sie sich noch erin-nert und was sie heute fühlt:

,, Ich war ein ganz kleines Mädel,... und erinnere mich eigentlich an alles, aberich bin deswegen nicht negativ den Tschechen gegenüber eingestellt, überhauptnicht.-...wir haben gesehen, daß die Leute in den Straßengraben geschmissenworden sind, wenn sie nicht mehr weiter können haben... und daß wir uns gefürch-tet haben, daß es uns auch so geht... Aber an und für sich empfinde ich deswegenüberhaupt keinen Groll, weil die haben jetzt vierzig Jahre eh die Hölle gehabt. Daẞnatürlich viele einen Haß haben werden, die wirklich die Häuser und alles verlorenhaben, den ganzen Besitz, obwohl... na den haben wir ja auch drüben lassen.

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Die regionale Geschichtsschreibung( wie zum Beispiel: Stadtge-schichte oder Heimatkunde) hat, bis auf sehr wenige Ausnahmen,diesen gewiß nicht einfachen Prozeß der Aufarbeitung undBewußtwerdung jener Ereignisse nicht unterstützen könnenlange wurde zu vieles verdrängt. Auch aus der Generation der erstspäter Geborenen sind es nicht wenige, die einiges vom Ballast derunaufgearbeiteten Geschichte mitgeschleppt haben:

zu

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