Jahrgang 
93 (1990) / N.S. 44
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uns auch die nationalistischen Tendenzen in der Slowakei, denn dieSlowaken fürchten, daß sie nicht gleichwertig behandelt werden,das spürt man auch in der Studentenbewegung. Die slowakischenStudenten haben ihre eigene Studentenunion gegründet, ohne daßsie uns etwas gesagt hätten... Ich bin der Meinung, daß wir eineNation sind, die fähig ist, als Tschechoslowakei zu existieren..Auch wenn die Slowaken sich selbständig machen wollen, sind sienicht in der Lage, alleine zu existieren. Da zeigt sich wieder dieUnkenntnis der Leute, ihr Fanatismus" meint Katka. Sie selbstist eine Slowakin aus Preßburg und weiß, daß das größte Problemdarin liegt, daß die Menschen sich zu wenig kennen. Die Slowakenwissen über die Tschechen zu wenig und deswegen gibt es auchdiese Tendenzen zum Nationalismus.

Um sieben Uhr fängt die Weihnachtsfeier an( Abb. 7). DasZimmer des Streikkomitees ist weihnachtlich geschmückt, unterdem Christbaum liegen unzählige Geschenke und auf den feierlichdekorierten Tischen brennen Kerzen. Zwei tschechoslowakischeFlaggen zieren die Fenster, und an der Wand dazwischen hängt einBild von Václav Havel. Trinksprüche auf Weihnachten, auf dieRevolution werden ausgebracht. Was bedeutet für euch diesesWeihnachten?" frage ich ein paar Studenten. Martin, ein Biologie-student, zieht eine kurze Bilanz: ,, Es sind die ersten Weihnachtenim freien Land, aber ich habe ein bißchen Angst, daß alles zurückin die alten Bahnen gelangen könnte, obwohl niemand daran glau-ben will... Und ich spüre eine große Verantwortung, weil wir alleviele Fehler gemacht haben, vor allem am Anfang. Děcka'( Kin-der) mit ähnlichen Ansichten über die politische Situation habeneinander nicht gekannt. Wenn wir schon früher voneinandergewußt hätten, hätte man zumindest einen Diskussionsclub grün-den können, so daß der Anfang der Revolution schneller und orga-nisierter verlaufen wäre. So waren wir selber überrascht, was wir inGang gesetzt haben. Das Problem am Anfang war, Leute zu finden,die radikal denken, die bereit sind, etwas zu opfern, zu sammeln,denn wir haben nicht gewußt, wer wer ist. Zwei Studentinnenhaben ein bißchen Schwierigkeiten, die richtigen Worte zu finden:Es ist schwer zu beschreiben. Es ist etwas außergewöhnliches.. Ein Gefühl des Glücks.- Es tut mir nicht einmal leid, daß ichnicht zu Hause bin. Und es sind hier Leute, die sich dieses Glückverdient und selber geschaffen haben, sie haben darauf verzichtet,heute zu Hause zu sein... es ist ein Gefühl der Zusammengehörig-keit. Zu Hause ist mir das immer wie ein Krampf vorgekommen.

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