Jahrgang 
93 (1990) / N.S. 44
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werfer, ein Auto bremst mit quietschenden Reifen, vier Leute mitEispickel springen aus dem Auto, einer stellt sich auf den Rückendes anderen oder klettert die Fassade rauf, entfernt die Tafel, undalle springen wieder ins Auto und verschwinden. Was mir gefallenhat.. als wir beim Haus der Tschechoslowakisch- SowjetischenFreundschaft eine Bronzetafel entfernen wollten, da ist der Portieraus dem Haus herausgekommen. Und ich mußte mit der Tafel, diezirka 25 kg hatte, weglaufen. Wir sind ins Auto gesprungen undohne Licht von der kritischen Stelle losgefahren, erzählt Jirkabegeistert und lacht. Ein wenig Abenteuerlust und Studentenspaßmüssen wohl dabei sein, denke ich. Mit diesen Symbolen des Kom-munismus hat man im Hof des Bezirksmuseums eine Ausstellungveranstaltet. Einen roten Stern haben sich aber die Studenten alsPodest für ihren Weihnachtsbaum behalten. Es gibt nur noch einenStern in Olmütz, den diese Elitetruppe entfernen muß, und zwarauf dem Olmützer Rathausturm. Der Turm ist 72 Meter hoch, dieletzten 30 Meter sind aber ein Problem. Falls es uns gelingt, einenHubschrauber zu organisieren, wäre es einfacher, sonst müssen wiruns noch etwas einfallen lassen. Der Stern darf dort aber auf keinenFall bleiben, freut sich Jirka auf die nächste Aktion.

Von Tomáš, einem Redakteur der Zeitung Přetlak"( ,, Umdruck"), bekomme ich die neuesten Exemplare. Ab Nr. 11,vom 7. Dezember, wird sie nicht mehr im Siebdruck von den Stu-denten, sondern in einer Druckerei hergestellt. Die Auflage liegtschon bei 15.000 Exemplaren. Wie ich der letzten Nummer ent-nehme, ist eines der Hauptanliegen der Studenten zur Zeit dieUnterstützung der Präsidentschaftskandidatur von Václav Havel,und sie haben hier, gemeinsam mit anderen Medien, auch guteArbeit geleistet. Wir haben versucht, die Sünden, die die offiziel-len Medien konkret an der Person von Herrn Havel und an derCharta 77 begangen haben, wiedergutzumachen. Die Informationwar,wie allgemein bekannt, negativ. Deswegen haben sich dieLeute nur sehr schwer mit der neuen Situation zurechtgefunden,was man ihnen auch nicht übelnehmen kann, da sie diese Meinunglange Zeit durch die Medien suggeriert bekommen haben. Die Stu-denten haben daher versucht, Herrn Havel sanft zu propagieren.Es wurden Zitate, Essays, Aphorismen usw. publiziert, um seinePerson und sein Werk gewaltlos bekanntzumachen, erzähltTomáš. ,, Für uns ist er einfach die Nummer eins. Er ist in ersterLinie Künstler, aber der einzige, der uns die Freiheit garantierenkann, sagt dazu Katka.

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