eine ,, Stadt mit Umland", wie Erhard Krack, der Ostberliner Ober-bürgermeister, sagte, oder„ die größte Region zwischen Ruhrge-biet und Moskau", wie Walter Momper, der Regierende Bürger-meister im Westteil, schwärmte. Daß diese Perspektiven vielen kei-neswegs geheuer waren, brachten S- und U- Bahn- Gespräche mitWestberlinern zutage: sie zeigten sich besorgt über die zunehmendeVerkehrsdichte, die Überfüllung der Bahnen und Busse, dieSchlangen in Banken und Läden.„ Mit Sitzplätzen is nich mehr,wenn'de die paar Stationen von Möckernbrücke bis zum Zoowillst“, sagte ein Linie- 1- Benutzer.„ Und das alles wird jetzt nor-mal", war der Seufzer eines U- Bahn- Abfertigers im Bahnhof Zoo.Eine WG- Genossin aus Kreuzberg erzählte am Donnerstag:„ Wirmachen heute schon den Großeinkauf fürs Wochenende, sonst ste-hen wir am Samstag wieder stundenlang Schlange." Die TAZ hattedas Problem, wie West- Berlin sich in Zukunft definieren muß,schon am 13. November angesprochen:„ Wie eine Normalisierungdieser im wahrsten Sinne atemberaubenden Situation aussehenwird, entzieht sich im Moment jeder Phantasie."
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Dennoch hat Karl Schlögel kurz vor Jahresfrist in„ Lettre Inter-national13 ein faszinierendes Panorama zukünftiger„ BerlinerZustände" entworfen; er sieht in der neuorganisierten Doppelstadtein riesengroßes„ Kaufhaus des Ostens", das sich als„, Attraktions-punkt in einem Gelände des chronischen Mangels und der Miẞwirt-schaft" offeriere. Erst allmählich werde sich Berlin zu dem entwik-keln, was es einmal war zu einem Drehkreuz zwischen Ost undWest, zu einem Verschiebebahnhof west-, süd- und osteuropäi-scher Kulturen. Ihre Vermengung und ihr Kontakt müsse dannnicht mehr prätentiös organisiert werden( in Form einer ambitio-niert inszenierten Ost- West- Begegnung), sondern wäre„ normal“an die Bewegung von Gütern und Waren gebunden.„ Der Aus-tausch von Kultur geht nun ohne Subvention vor sich, sie wandertim Gepäck mit und mit den Leuten in die Stadt ein. Berlin gewöhntsich an neue Laute und neue Gesichter."
Schlögel imaginiert Berlin als Menschenzentrifuge, ähnlich wievor 70 Jahren Heinrich Mann Berlin als„ Menschenwerkstatt“ 14gesehen hatte. Durchaus eine Ahnung davon gaben die ersten Tagenach der Maueröffnung, als sich die Anormalität normalisierthatte, als aus Brüdern und Schwestern Grenzgänger und Konsu-menten geworden waren. So war denn trotz aller Treffsicherheit inder Beobachtung die oben zitierte Feststellung des Tagesspiegels,
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