irgendwann eine besondere Einkaufsgelegenheit ergeben könnte.Man nimmt sie mit, um bei günstigem Angebot nicht abseits stehenzu müssen;„ ,, vielleicht“ ergibt sich ja doch eine Kauf- Chance. Des-halb heißen diese Taschen in der DDR, in Anlehnung an eine russi-sche Wortprägung„ Avoska“( von Avos= vielleicht) oder einge-deutscht
, Vielleichtchen".
Diese ,, Vielleichtchen" reisen unsichtbar ein und bieten sich ent-faltet erst bei der Rückreise dar, die sie in der Regel mit anderenEinkaufstüten und-kartons antreten( jedenfalls in den erstenTagen, nachdem Berlin eine offene Stadt geworden war). Ihr Inhaltgab, so war zu beobachten, ebenfalls nicht wenige aufschlußreicheHinweise auf den Real- und Mentalhaushalt der Berliner in Ost undWest. Von drei Warentypen wurde mir immer wieder berichtet undzum Teil auch durch Vorzeigen anschaulich Kenntnis gegeben. Daswaren einmal die Südfrüchte, die allerdings in großen weißen Pla-stiktüten, die von den Fliegenden Händlern gestellt und„ en bloc"gefüllt worden waren, transportiert wurden( für den Pauschalpreisvon DM 10,- gab es ein Kilo Orangen, ein Kilo Mandarinen, zweiKilo Bananen, drei bis vier Kiwis und eine Ananas). Zum andernwaren es, und diese Formel begegnete mir des öfteren,„ Frucht-zwerge und Weichspüler" 10, also durch das westliche Werbefernse-hen in der DDR bekannte Konsumartikel, Klein- Objektivationen,in denen die Freuden und Annehmlichkeiten einer auf Hochtourenproduzierenden Warenwirtschaft Gestalt angenommen zu habenschienen. Die dritte Warensorte, die in West- Berlin en massegekauft wurde, waren elektrische und elektronische Geräte, insbe-sondere der Unterhaltungsindustrie: CD- Player, Kassettenrecor-der und Walkmen. Am Donnerstag, dem 16. November 1989,beobachtete ich vor einem Elektroladen am unteren Kurfürsten-damm, daß innerhalb einer Stunde von einem eigens im Freienaufgebauten Ladentischneun Philips- Stereo- Radios mit Kasset-tenabspielanlage zum Preis von DM 98,-, also knapp unter demBegrüßungsgeld liegend, verkauft wurden.
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4.
Die kleinen Sehnsüchte und bescheidenen Wünsche, die sich inden Taschen und Tüten offenbarten, waren sicher auch Ausdruckdessen, was Ute Mohrmann die„ subjektivierte Seite von Zeitge-schichte" nannte, und zwar die in Objektivationen subjektivierteSeite von Zeitgeschichte. Insbesondere Ute Mohrmanns Vorbe-merkungen zu ihrem Referat über die ethnographische
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