Jahrgang 
93 (1990) / N.S. 44
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Museum für Deutsche Volkstrachten und Erzeugnisse des Hausge-werbes sind, Gebrauchsgegenstände des Deutschen Volkes❝8 alsDokumentationsschwerpunkt angegeben. Als Sachzeugen solltensie Auskunft über die nationalen Eigentümlichkeiten" geben,jeweils vermessen in Raum und Zeit.

Was wären die diese Frage angesichts des gegenwärtigen poli-tischen Wandels durchzudeklinieren, war ein beliebtes Spiel in denSitzungspausen-, was wären die bezeichnenden Gebrauchsgegen-stände einer in zwei Staaten verfaßten Nation? Die Prägung vonRaum und Zeit durch die Doppelstaatlichkeit erwies sich dabeigenauso als Problem wie ein museologisch ausgewiesener Begriffder Alltagskultur. Die Dimensionen Raum und Zeit haben auf bei-den Seiten der Mauer unterschiedliche Zuschnittslinien erhalten:Das Bewußtsein angespannter Gegenwärtigkeit im Westteil derStadt ist nicht am wenigsten auch bedingt durch Tempo und Aus-maß einer hektischen Warenproduktion, vermittelt vor allem durchdie ständig wechselnden Moden im Umgang mit Dingen, durch diekonsumtive Aneignung von Gebrauchsgegenständen; die Starr-heit, Farblosigkeit und Eindimensionalität der Sachkultur jenseitsder Mauer hat ihre Ursachen ebenfalls weniger in nationalen undethnischen Eigentümlichkeiten als in einem planwirtschaftlichorganisierten Gesellschaftssystem. Die Kategorien Raum und Zeitsind politisch überformt, aber dennoch sind sie ausschlaggebend fürKultur und Lebensweise diesseits und jenseits der Grenze.

Sensible und plausible Auskunft über Kulturspezifika der DDRund der BRD gaben, so meine ich, die Taschen( und zwar gleicher-maßen Form wie Inhalt), die ich im Rahmen meiner S- Bahn- Ethno-logie kennenlernte. Zunächst einmal die Form der DDR- Tasche,die schon bald von den Westberlinern als stehendes Requisit derZonis ermittelt war. Es ist ein rechteckiges, etwa 40 cm hohes und25 cm breites, aus Nylon gefertigtes Behältnis( mit verstärktenPlastik- Trägern), welches den Vorteil bietet, zusammengerolltoder-gefaltet wenig Platz zu beanspruchen. Deshalb sieht man esbei der Fahrt der DDR- Bürger nach West- Berlin in der Regel nicht.Diesen Typ Tasche gab es vor 15-20 Jahren auch in der BRD; erist dann allerdings- auf Anbieterseite- durch die in Läden erhält-lichen Plastiktüten und auf Verbraucherseite durch stabilereModelle ersetzt worden. Diese Nylon- Taschen gehören zur Stan-dardausstattung der DDR- Kaufwilligen, weil sie diskret, aber all-zeit einsatzfähig sind. Sie werden, so wird erzählt, stets und überallhin mitgenommen, weil sich möglicherweise irgendwo und

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