Jahrgang 
93 (1990) / N.S. 44
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S- Bahn- Fahrern unterschiedliche Kommentare hervorgerufen hat-ten. ,, Keine Feier ohne Meyer"- dieser Aufdruck galt als ein demAnlaß durchaus angemessener Slogan( und das Volumen der Pla-stiktüten belegte die Feierfreude), wohingegen der Spruch JederTag ein Meyertag" die lakonische Feststellung evozierte: Denk-ste, von wegen Wechselkurs!... Wo willste denn die Knete her-nehmen, wenn nix mehr vom Begrüßungsgeld übrig is?"

Kultur kennt keine Grenzen: Berlin im Ost- West- Vergleichschien, auch und vor allem in den Tagen, nachdem die Mauerdurchlässig geworden war, den Gegenbeweis zu liefern. Im Bereichder Alltagskultur standen sich Welten gegenüber. Was bei glei-cher politisch- historischer Ausgangslage vor 40 Jahren, oder wennman will erst vor 28 Jahren, auseinanderdividiert worden war, zeigtunterschiedliche kulturelle Prägungen. Die Zweistaatlichkeit hattiefe Spuren ins Alltagsverhalten, ins Denken und Fühlen und ebenauch in die Sachkultur eingeschliffen. Kultur kennt keine Grenzen:das ist eher eine politische Beschwörungsformel, die vielleicht nichtohne Recht auf das nationale Kulturerbeб, auf Goethe und Beet-hoven, auf Fontane und Paul Lincke, auf Fritz Lang und die Drei-groschenoper bezogen werden kann, aber nicht, um eine Bourdieu-sche Formulierung zu gebrauchen, auf ästhetische Dispositionssy-steme und Wahrnehmungsprogramme des Alltags, dessen Verhal-tensweisen, einer gängigen Einsicht des Faches zu Folge, tiefgrei-fend von Wirtschaft und Gesellschaft geprägt sind. Dies gilt zumalfür einen Ort, an dem politische und ideologische Orientierungenbesonders intensiv wirksam waren: Berlin war lange Zeit Front-stadt; in beiden Teilen der Stadt waren Alltag und Kultur von staat-lichen Interventionen bestimmt.

3.

In einem eindrucksvollen Referat, welches den Auftakt der wis-senschaftlichen Vorträge bildete, stellte Erika Karasek dieGeschichte der Institution dar, die der Anlaß für das Kolloquiumwar, zu dem erstmals inoffiziell zwar, aber mit großer Aufmerk-samkeit bedacht auch die Repräsentanten des Volkskunde-Museums der Stiftung Preußischer Kulturbesitz in West- Berlinangereist waren. Trotz wechselnder Bezeichnungen( vor allem inden Anfangsjahren), trotz wechselnder Konzeptionen sei primäresSammlungsziel stets der Alltag des Volks, des Land- und Stadtvolksgewesen, so konnte Erika Karasek mit neuen Belegen überzeugendnachweisen. Schon im ersten Heft der Mitteilungen aus dem

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