Jahrgang 
93 (1990) / N.S. 44
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die neben einem Pergamonaltar und einem Menzelschen Eisen-walzwerk auch eine volkskundliche Abteilung haben, durchausvorkommen kann?

Tamás Hoffmann vom ungarischen Nationalmuseum repliziertefür die Tagungsteilnehmer. Souverän entrichtete er die Geburts-tagsgrüße der internationalen Museen und Museumsverbände undwies, die politische November- Entwicklung in der DDR begrü-Bend, auf die Budapester Entscheidung vom 14. September 1989hin, die, wie er mit Recht sagte, der Anfang der Maueröffnung war.Zudem rief er eine ungarisch- österreichische Volkskundeveranstal-tung aus dem Sommer 1989 ins Gedächtnis, die ihm allein wegenihres programmatischen Titels, Ethnographie ohne Grenzen,zukunftsweisend und, vom aktuellen Zeitpunkt her, geradezu visio-när erscheine: Kultur kennt keine Grenzen! Auch er sieht in derVolkskunde und Ethnographie wichtige Disziplinen für die Reno-vierung und Neugestaltung des Ostteils des europäischen Hau-ses".

Kultur kennt keine Grenzen: Mir war bei meinen S- Bahn- Fahr-ten am gleichen Tag anderes, Gegenteiliges, aufgefallen. Die Leuteaus dem Ostteil der Stadt und aus der DDR, die Zonis oder Ossis,wie die Westberliner bald sagten, waren auf Anhieb in Charlotten-burg, Steglitz und Kreuzberg zu erkennen. An Tüten und Taschen,an den Stone- Washed- Jeans, an den Kopfbedeckungen der Män-ner, an deren Haarmode( Koteletten und Bärte), an der Zeitlosig-keit der Frauenkleidung, an deren Materialien, Farben undSchnitten. Die Westberliner hatten schnell ein alltagshermeneu-tisch funktionierendes Distinktionsschema ausgemacht, mit demsie treffsicher die Leute von jenseits der Mauer zuordnen und soauch eine Kultur jenseits der Grenze bestimmen konnten. Vieles,was an Unterscheidungsmerkmalen und Verhaltensauffälligkeitenfestzustellen war, war freilich auch situationsabhängig, diktiert vonden Umständen der ersten Westbesuche: Schlangestehen an denSparkassenbussen, in denen das Begrüßungsgeld ausgezahlt wurde,das hilflose Straßensuchen mit den vom Senat kostenlos verteiltenStadtplänen, das Picknick auf den Bänken des Kurfürstendammsund des Breitscheidtplatzes.

Auch in Ost- Berlin sah man auf den Straßen Dinge, die, so wurdemir erklärt, bisher selten dort zu sehen waren. Anstecknadeln mitdem Mercedesstern, Papiermützen von McDonalds, westdeutscheIllustrierte und Magazine und Plastiktüten mit Reklameaufdruk-ken, wobei die der Lebensmittel- Ladenkette Meyer bei den

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