wird³. Als ferner Klang meldet sich im Titel freilich auch WalterHöllerers These von einem immer wieder beobachteten Kulturspe-zifikum der geteilten Stadt: Höllerer hatte schon vor Jahren für dieGemeinsamkeiten im Ost- und Westberliner Denk- und Schreibstilden Begriff S- Bahn- Literatur vorgeschlagen.
2.
Nach der ersten S- Bahn- Fahrt Übergang in die Hauptstadt derDDR. Länger als eine Stunde Schlangestehen, weil der Andrangder rückreisenden DDR- Bürger unerwartete Abfertigungspro-bleme zu bereiten schien. Die Kontrollbeamten waren keineswegsfreundlicher und höflicher als sonst( wie es euphorisch in der bun-desdeutschen Presse geheißen hatte). Umso zuvorkommender,weil unkompliziert und gelassen, die Mitarbeiter des Volkskunde-Museums bei der Anmeldung im Tagungsbüro, welches in derimposanten Eingangshalle des Pergamonmuseums untergebracht
war.
Um 18 Uhr Eröffnung der Jubiläumsausstellung„, Von der Trachtzur Mode", die von Erika Karasek und ihrem Team zur Tagungkonzipiert und arrangiert worden war, und Begrüßung der Kollo-quiumsteilnehmer. Günter Schade, der Generaldirektor der Staat-lichen Museen zu Berlin, spricht davon, daß sich die DDR in einer,, tiefen Krise" befinde, weil sie seit Wochen von„ gesellschaftlichenUmwälzungen" bisher unbekannten Ausmaßes gekennzeichnetund seit wenigen Tagen zudem ein„ Land ohne Regierung" sei. Daẞdennoch die Tagung programmgemäß stattfände, läge auch an derDisziplin, deren Geschichte es zu gedenken gelte: der Volkskunde.Ihr wachse Bedeutung zu in einer Situation, die nachdrücklich voneiner ,, Volksbewegung“ geprägt sei. War es Zufall, daß der Gene-raldirektor des öfteren statt von Volkskunde von Volkskunstsprach? War damit, quasi über Freudsche Mechanismen gelenkt,auf das in der DDR neu erwachte und in bemerkenswert kreativenFormen sich äußernde politische Volksvermögen hingewiesen?Etwa in dem Sinne, wie es in einer ADN- Meldung vom 7. Novem-ber zum Ausdruck kam, als von der Überführung der Transparenteund Plakate der Demonstrationen vom 4. November 1989 ins Zeug-haus- Museum für Deutsche Geschichte die Rede war und dieseals Dokumente einer„ neuen Volkskunst“ bezeichnet wurden³.Oder war die Volkskunst/ Volkskunde- Verwechslung nur Hinweisauf ein distanziertes Interesse des Kunsthistorikers am Fach Volks-kunde, wie es bei Generaldirektoren von Museumskomplexen,