Jahrgang 
94 (1991) / N.S. 45
Seite
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1991, Heft 4

Literatur der Volkskunde

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stützt sich eigentlich ein großer Teil dieses Forschungszweiges auf denunermüdlichen Arbeitseifer von Kostas Jangullis.

Walter Puchner

Aristidis N. DULAVERAS, O paroimiakos logos sto mythistorima tu N.Kazantzaki, Alexis Zorbas"[ Das Sprichwort im Roman Alexis Zorbas"von Nikos Kazantzakis]. Athen, Verlag Bibliogonia 1991, 134 Seiten.

Der Verfasser hat dem griechischen Sprichwort auch seine Dissertation( 1989) gewidmet( vgl. meine Besprechung in ÖZV XLIV/ 93( 1990),S. 96 f.), in der er den wichtigen Nachweis führen konnte, daß der überwie-gend größte Teil der neugriechischen Sprichwörter ursprünglich metrischeForm besitzt. In dieser Arbeit wendet er sich der Anwendung des Volks-sprichworts in der Hochliteratur zu: die Auswahl des Werkes weist auchschon das Untersuchungsziel auf, gilt doch der Alexis Zorbas( vor allemdurch die Verfilmung) weltweit als die griechischste", also die autochthon-ste volkstümliche Gestalt von Kazantzakis, der aber doch gerade für denIntellektuellen Kazantzakis eine Exempelfigur des starken Lebens, eineArt Übermensch- Figur von den Ägäis- Inseln darstellt( dazu die interessan-ten Anmerkungen von M. G. Meraklis. I filosofiki ithografia kai anthropo-logia tu N. Kazantzaki. Laografia 33, 1982- 1984). In der Einbettung deran sich abstrakten Exempelfigur in den griechischen" Umraum bildet dieAnwendung der Sprichwörter eine bevorzugte Methode zur Erzeugung vonLokalkolorit.

Auch andere griechische Autoren, vor allem Vertreter des sogenannten Ethographismus, des sittenschildernden Provinzrealismus im neugriechi-schen Heimatroman und der Dorfnovelle in den beiden letzten Jahrzehntendes vergangenen Jahrhunderts, haben von dieser Methode Gebrauch ge-macht, so der Heimat- Naturalist Alexandros Karkavitsas( vgl. G. Balumi,Die Funktion des volkskundlichen Elements im Werk von A. K., Athen 1984.griech.), aber auch schon früher der griechische Nationaldichter DionysiosSolomos( dazu Sp. Kavadias, Volksleben und Volkssprache im griechischenWerk von D. S., Athen 1987. griech.). Auch besonders bei Kazantzakis sinddie volkstümlichen Elemente( vorwiegend aus Kreta) in Sprache und décoraufgespürt und untersucht worden( z.B. J. Romaios im Weihachtsheft derNea Estia 1977, S. 74- 77 und J. Jorre, Der volkskundliche Reichtum in denkretischen Werken von N. J., Thessaloniki 1989. griech.). Über den Roman Freiheit oder Tod(, Japitan Michalis") ist eine kleine Untersuchung zumGebrauch des Sprichworts angestellt worden( M. Michail- Dede in EpirotikiEstia 27, 1988, S. 503- 506). Doch die vorliegende Untersuchung zum