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Literatur der Volkskunde
1991, Heft 4
Versform des gereimten Fünfzehnsilbers ist beibehalten, das Stück besitztin der Bearbeitung sechs statt fünf Akte, und zwar ohne jegliche szenischeGliederung.
All dies ist mit großer Fürsorge und Umsicht vom Verfasser dargestellt.Das Buch führt zu recht den Untertitel„ Beitrag zur Erforschung des Volks-theaters von Zante“, da sich Alexiadis nicht nur auf die Edition des Textesbeschränkt, sondern in den einleitenden Kapiteln weiter ausholt: Zur Ge-schichte der„ Homilien“( S. 17 ff.), zu ihrer Herkunft und den Einflußräu-men( S. 19 ff.), zu den bisher veröffentlichten Texten( S. 22 ff.)( namentlichsind seit dem 18. Jahrhundert 32 Stücktitel bekannt, ediert ist davon nur einBruchteil), zu Theatertexten, von denen ein Zusammenhang mit dem„ Ho-milien"-Theater angenommen werden darf( S. 25 ff.), Bruchstücke von„ Homilien“( S. 26 ff.), während das„ Intermedium der Frau- Lia" von Rus-melis als nicht zum Homilien- Corpus gehörig ausgeschieden wird( S. 27).Sodann folgen ausführliche Angaben zur Auffindung und Herkunft derHandschrift und ihrer maschinschriftlichen Form( S. 28 ff.), Angaben zurKomparation mit dem Vorbild( S. 30 ff.). Ergebnisse( S. 34f.). Angaben zurEdition( S. 36f.). S. 43- 182 deckt die Textausgabe mit apparatus criticus( der allerdings keine schwerwiegenden philologischen Probleme zu lösenhat, aber doch relativ reichhaltig ist und von Geduld und Fleiß zeugt).S. 183190 die kritischen Scholien, S. 192 ein kurzes English summary, S.193-197 die Bibliographie, S. 199 – 209 ein nützliches Glossar, S. 209-211 eine Liste der Namen und Orte, S. 213- 215 ein Generalindex sowievier Photographien von der Handschrift und dem getippten Manuskript. Dasgefällig aufgemachte und sorgfältig redigierte Buch bringt hoffentlich etwasneuen Schwung in die griechische Volkstheaterforschung von Heptanesos,wo nicht nur noch viele Texte unediert oder überhaupt unbekannt sind,sondern auch Aufführungseinzelheiten, Repertoireschichten, Publikumsre-aktionen, soziale Funktionalität usw. Ansonsten ist die kommentierte Text-ausgabe vorbildlich und erlaubt gesicherte Aussagen über die Adaptierungs-methoden und-strategien dieser Volksautoren. Die Insel des griechischenNationaldichters Dionysios Solomos zählt immer noch zu den lebendigstenVolksschauspiellandschaften Südeuropas.
Walter Puchner
Kostas JANGULLIS, Poiitarika I.[ Über die Poetarides/ poiitarideszypriotische Reimeschmiede]. Nicosia 1988, 90 Seiten, 10 Abb. im Text.
Die zypriotischen„ Meistersinger“, professionelle Gelegenheitsdichterund Musikanten, die möglicherweise auf die französische Herrschaft der