1991, Heft 4
Literatur der Volkskunde
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des Themenkomplexes„ Brautraub" vorkommen. Manchmal wird der Hoch-zeitszug auch„ fusato“ oder„ askeri“( beides Heer, Armee) genannt.
Es folgt ein Anhang mit den„ Fahnenliedern"( besonders aus Nordgrie-chenland), die vor allem den Reichtum und die Schönheit der Fahne preisen,die Stärke des Fahnenträgers, Reichtum und Schönheit von Braut undBräutigam, der Bräutigameltern, der Wahlbrüder usw.( S. 37- 50). EinGlossar folgt( S. 51- 53), eine Bibliographie( S. 55- 58), sowie ein Gene-ralindex( S. 59- 63), ein English summary( S. 65- 67). Von besonderemInteresse ist auch der Bildteil mit vielen Dokumentarphotographien, die z.T.aus dem erwähnten Dokumentarfilm über den Brauch in Polykastro imBezirk Kozani stammen. Abschließend sei noch hinzugefügt, daß demDruckfehlerteufelchen nicht überall das Handwerk gelegt werden konnte( S. 28, 33, 55, 56, 57, 65, 66, Abb. 12).
Die Arbeit war 1984 fertiggestellt und sollte im Jahrbuch des Forschungs-zentrums veröffentlicht werden, das allerdings bis heute nicht erschienenist, so daß sich der Verfasser gezwungen sah, die Studie selbst zu veröffent-lichen. Diese editoriale„ Dyspragie“ eines ganzen traditionsreichen For-schungsinstitutes für Volkskunde ist umso bedauernswerter, als das Jahr-buch auch die laufende volkskundliche Bibliographie veröffentlicht hat, dienun irgendwo in den 70er Jahren stehengeblieben ist.
Walter Puchner
Samuel BAUD- BOVY, Chansons aromounes de Thessalie. Thessaloni-ki, Gebr. Kyriakidi 1990, XVI u. 65 Seiten, 1 Karte, zahlreiche Notenbei-spiele, 1 beigebundene Digitalplatte.
Der vom„ Philologischen und historisch- literarischen Verein“ von Trika-la( Thessalien) mit finanzieller Hilfe der Stadt Genf herausgegebene zwei-sprachige( die griechische Übersetzung stammt aus der Feder der Ethnomu-sikologin Despoina Mazaraki, 1914- 1989) posthume Studienband desbekannten, 1986 völlig überraschend aus dem Leben geschiedenen Schwei-zer Musikethnologen, Byzantinisten und Neogräzisten Samuel Baud- Bovy( 1906- 1986), den sein Nachfolger an der Universität Genf Bertrand Bou-vier zusammen mit Theodoros Dimas redigiert hat, dürfte wohl vorerst dieletzte Publikation in der langen, insgesamt 115 Studien umfassenden Ver-öffentlichungsliste des sensiblen Volksmusikkenners Griechenlands sein,wenn in seinem Nachlaß auch noch Dutzende von Manuskripten der Editionharren( vgl. Catalogue du Fonds Samuel Baud- Bovy. Genève 1989,S. 172 ff.). Wie auch bei der letzten Publikation, die der Ethnomusikologenoch selbst betreut hatte( Δοκίμιο για το ελληνικό δημοτικό τραγούδι.