1991, Heft 4
Literatur der Volkskunde
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Versuchsstationen für Weltuntergänge und Hauptstädte der Magie, durchkalte Paradiese und babylonische Schmelztiegel.
Paket Ost: Czernowitz, Budapest, Laibach, Krakau, Preßburg, Leningrad„ Wir Europäer haben ja die Angewohnheit, die Augen und Ohren stetsnach dem Westen auszurichten, egal, wo wir zu Hause sind. Von Bukarestaus nach Budapest, von Budapest Richtung Wien, von hier nach München,Zürich und darüber hinaus.
Angesichts eines wirtschaftlichen, kulturellen und nicht zuletzt ästheti-schen Gefälles von West nach Ost wenden wir uns in einem Pawlow'schenReflex jenen Metropolen zu, von denen wir meinen, sie seien schöner,reicher und abwechslungsreicher.
Der dringend notwendige- fast ist man versucht zu sagen: Blick zurück,besser: Blick in die andere, ungewohnte Richtung- er bietet jedenfalls mehrals wir in unserer westlichen Ignoranz erwarten; und er bietet uns mitGarantie eines: Verwirrung."
So ungewohnt ist dieser Blick in die andere Richtung mittlerweile nichtmehr, wie Michael Schrott dies noch 1985 im Stadtporträt Budapest konsta-tiert hat.
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Die weitreichenden Veränderungen in den ehemals kommunistischenLändern haben jedenfalls unseren medialen Blick weitaus stärker auf sichgezogen als irgendein anderes Ereignis in diesem Jahrhundert mit Aus-nahme„ interessanter" Kriege natürlich. Diese Veränderungen bringen an-dererseits auch mit sich, daß weniger die Themen der Porträts als vielmehreinzelne Aussagen schneller überholt sind, als dies bei anderen Städten derFall ist.
Im Stadtporträt Budapest, das- wahrscheinlich aus diesem Grund- auseiner Sendung vom Oktober 1985 und einer vom November 1989 zusam-mengestellt ist, hören wir zuerst:„ Nagymaros wird gebaut[...] und vermut-lich wird sich niemand trauen, sich den Baumaschinen in den Weg zustellen."( Michael Schrott, Seite A)
Im zweiten Teil wird bereits berichtet, daß das Kraftwerk nicht gebautwird und heute( 20. Juli 1991) ist die Situation so, daß man von Seiten derČSFR die Verantwortlichen in Ungarn dazu überreden möchte, Nagymarosdoch noch zu bauen, was zum Erscheinungstermin dieser Rezension mögli-cherweise wieder überholt sein wird.
Das Stadtporträt Leningrad wiederum kann als jüngste Sendung( Erstaus-strahlung: 20. Oktober 1990) im Gegensatz zu dem über Czernowitz( Erst-ausstrahlung: 15. Dezember 1984) mit einer im allgemeinen üblichenVor- Ort- Reportage mit Original- Ton in den Straßen aufwarten. Das ist wohlnur als Folge von Glasnost zu sehen.
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Und dann zeigt dieses Leningrad- Porträt eine Entwicklung auf, von derenderzeitigem Ende sie noch nichts weiß: Michael Schrott berichtet von einer