1991, Heft 4
Literatur der Volkskunde
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Narodna Umjetnost 27. Zagreb 1990, 334 Seiten.
Das kroatische Folklore- Institut in Zagreb hat einen weiteren Jahresbandvorgelegt. Der Artikelteil hebt mit einem allgemein gehaltenen Aufsatz vonH. Bausinger an, über neue Aspekte in der empirischen Kulturforschung( S. 1119), fährt dann mit einem Artikel von D. Rihtman- Auguštin zurMetamorphose der sozialistischen Feiertage( S. 21- 32) fort, der mit reich-haltiger rezenter Bibliographie die Beziehung des sozialistischen Feiertags-systems zur traditionellen Heortologie behandelt, das im allgemeinen koin-zidiert, aber auf die Akzentuierung des Lebenszyklus des Einzelindividu-ums keine Rücksicht nimmt. In der Folge steht wieder ein Aufsatz von H.Bausinger( in deutscher Sprache)„ Heimat. Über eine vieldeutige Bezie-hung“( S. 3345, kroatische Übersetzung S. 47- 58), wo die vielfältigenDenotationen und Konnotationen dieses emotionell belasteten Begriffes imÜbergang vom 19. zum 20. Jahrhundert bis zur Gegenwart heran analysiertwerden. Es folgt ein gut belegter Aufsatz von J. Čapo zu einem ethnologi-schen Ansatz im Studium von Haushalten unter Berücksichtigung quantita-tiver Parameter( S. 59- 71), eine Studie von Žoltan Rajković über Bräucheauf der Insel Solta( bei Split) in der Zwischenkriegszeit( S. 73- 98), einKlassifikationsversuch der serbokroatischen epischen Lieder in Zyklen vonM. Kleut( S. 99- 109). Ivan Lozića steuert einen Beitrag bei zu favorisiertenund vernachlässigten Genres der mündlichen Tradition( S. 111- 119).Davor Dukić zum Zehnsilber bei Kantičić( S. 121 140; Matija PetarKantičić hat 1791 eine kroatisch- lateinische Versammlung.„ Fructus autum-nales". herausgegeben, in der er Stil und Vers der Volkslieder nachahmt).Vilho Endstrasser beschäftigt sich mit Sprichwörtern in der Zeitungssprache( S. 141 150, Sample von 1989). A. Nozar mit Liedern der InternationalenArbeiterbewegung in den jugoslawischen Revolutionsbewegungen( S. 151- 187). J. Bežić steuert eine musikologische Studie über zweistim-miges Singen von epischen Liedern in Norddalmatien bei( S. 189- 197 mitmehreren Notenbeispielen). Visnja Hrbud- Popović zum kroatischen Kolo-Tanz als einem Gesellschaftstanz nach einer Beschreibung von 1848( S. 199209). D. Zečević endlich zum Einfluß populärer religiöser Lese-stoffe, Volksglauben und Aberglauben auf die Erzählungen alltäglicherEreignisse bzw. die orale Autobiographie, basierend auf Aufnahmen von1987 im Bereich Nova Gradiška( S. 211- 244).
Darauf folgt der Besprechungsteil mit insgesamt 71 Rezensionen aus derdeutschen, englischen, amerikanischen, italienischen, russischen, balkani-schen, jugoslawischen, polnischen, ungarischen und finnischen volkskund-lichen Literatur. Am Ende gibt es noch einen Nekrolog auf Lydia Sklevicky( 1952–1990). Gerade auch dieser Besprechungsteil erweist, wie in voran-gegangenen Besprechungen des Jahrbuches schon erwähnt, den weiten