1991, Heft 4
Literatur der Volkskunde
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sind. Daß in dem krisengeschüttelten Nachbarland dieses volkskundlicheVorhaben gerade zu diesem Zeitpunkt seine ersten Früchte der internatio-nalen Öffentlichkeit vorlegen kann, scheint ein positives Zeichen für dieLeistungsfähigkeit und Unbeirrbarkeit dieser Disziplin zu sein.
Walter Puchner
Laografia 35. Athen 1987- 1989( 1991), 548 Seiten, 29 Abb. im Textund auf Tafeln, 5 Notenbeispiele.
1989 feierte die Griechische Volkskundliche Gesellschaft ihr 80jährigesJubliläum. Diesem freudigen Anlaß ist auch der 35. Band des traditionsrei-chen Volkskunde- Organs„ Laografia“ gewidmet, den der bejahrte Präsidentder Gesellschaft, Dimitrios Lukatos, redigiert hat. Der Bedeutung einessolchen Ereignisses entsprechend weist der Band eine Reihe von grundsätz-lichen Beiträgen auf, die Bibliographie ist diesmal für ein Separatum auf-gespart.
Auf einen Prolog des Präsidenten zum 80jährigen Bestehen der Vereini-gung( S. 510) folgt eine Grundsatzstudie des Emeritus für Volkskunde ander Universität Athen, Dimitrios Oikonomidis, über die Geschichte derGriechischen Volkskunde, eine umfangreiche Abhandlung( S. 11- 86), diebis ins Altertum ausholt, über Byzanz und die Türkenzeit sich dann derGegenwart nähert, Institutionen und Periodika, Forschpersönlichkeiten,Sammler und Lehrer nennt. Es folgt ein kurzer Artikel von Vas. Valaorasüber die demographischen und volkskundlichen Entwicklungen im rezentenGriechenland( S. 87- 92 mit mehreren tabellarischen Darstellungen), eineGrundsatzstudie von Mich. G. Meraklis zur materiellen Kultur und ihrerErforschung( S. 93- 103), ein methodischer Leitfaden für die Erfassung dertraditionellen Möblierung und dem Kochgerät im griechischen Haus, vonStefanos Imellos( S. 104- 128) eine Studie„ Ballade und Drama“ über dieVerwendung von Balladenmotiven in griechischer und balkanischer Drama-tik( S. 129- 145), worauf die französische Studie„ Distiques de Chypre"von Themis Siapkara- Pitsilidu( S. 146- 163) folgt. Den Studienteil vervoll-ständigen ein Artikel von S. N. Filippidis über die transformativen Grenzendes zyprischen Distichons( die sogenannten„ tsiattismata“)( S. 164 – 168),eine Studie von Minas A. Alexiadis über unbekannte Briefe von griechi-schen Volkskundlern an Richard M. Dawkins( S. 169- 187 mit der Abbil-dung mehrerer Autographen), eine Abhandlung von Vas. Kyriazopulos überSpitznamen aus Mykonos aus einer Handschrift um 1900( S. 188- 198),eine volksmedizinkundliche Studie von Christos Th. Oikonomopulos zumPhänomen des Bindezaubers, der Impotenz beim Bräutigam/ Ehemann her-