Jahrgang 
94 (1991) / N.S. 45
Einzelbild herunterladen
 

416

Literatur der Volkskunde

1991, Heft 4

Die Karten selbst sind von vorzüglicher Druckqualität, die diakritischenZeichen und Symbole in intensivem Rot deutlich zu erkennen und zuunterscheiden. Karte 1.141 mit den Eggenformen bringt insgesamt 17 Ty-pen, darunter Rahmeneggen mit Zähnen( Quereggen, dreieckige, trapezför-mige, parallelogrammartige Längseggen), Bretter und Straucheggen. Aufden ersten Blick zeichnen sich relativ kompakte kulturgeographische Zo-nenbildungen ab; eine Auswertung dieser Angaben scheint auch besonderesInteresse für die vergleichende Balkanologie zu haben, vor allem da dietraditionellen agraren Produktionsformen im Zentrum des Forschungsinter-esses auch in Bulgarien und Griechenland gestanden haben. Karte 1.142bringt die Terminologie für die Eggen, insgesamt 17 Kategorien. Auch hiersind die für die jugoslawischen Landschaften so charakteristischen Zonen-bildungen mit ihren z.T. scharfen Grenzkonturen abzulesen. Karte 1.511gehört zum thematischen Zyklus der Bienenzucht, für die die Slowenenkürzlich eine interessante Veröffentlichung vorgelegt haben. Die Kartebehandelt das Einsammeln von Waldbienen aus hohlen Bäumen( mit denVariablen: Ausräuchern, durch Schwefelrauch, Feuerschwamm, Fetzen,Kuhmist, Anlocken durch duftende Kräuter, Sauermilch usw., Baumfällenusw.). Die Streudichte der Angaben ist naturgemäß dünn, was auch für dienächsten Karten gilt: 1.512 Einfangen von Waldbienen, 1.513 Einsammelnvon Waldbienenhonig( meist durch Ausräuchern der Bienen) und 1.514Honiggewinnung aus Höhlen, Felsen, Gestein und Erde( meist durch Aus-räuchern).

Karte 8.321 behandelt die Kultischen Gärtchen, im zentralen undsüdlichen Teil von Jugoslawien weithin unbekannt, im Norden, Nordosten,am dalmatinischen Küstenstreifen und im dinarischen Hinterland meist zuWeihnachten oder Neujahr, seltener zu anderen Jahresterminen wie Fa-sching und Ostern, Johannis und zu anderen Gelegenheiten. An Variablensind nachgewiesen: wird ins Feuer geworfen, den Hühnern gegeben, allge-mein dem Vieh, in den Wein- und Obstgarten getragen, aufs Feld getragen,in den Brunnen geworfen, in die Kopfhaare gesteckt. Diese Praktiken habenanderswo mantische Funktion oder wirken als Kraft- und Segensübertra-gung.

Das erste Heft des Ethnologischen Atlas Jugoslawiens ist freilich nur einbescheidener Anfang einer Publikationstätigkeit, die in den nächsten Jahrenihre Fortsetzung finden muß und hoffentlich nicht von den inneren Schwie-rigkeiten des Landes beeinträchtigt wird, eine erste Kostprobe des angehäuf-ten und auszuwertenden Informationsmaterials. Derartige volkskundlicheKartenprojekte, die langfristiger Planung, intensiver Vorarbeiten und gesi-cherter Finanzierungsverhältnisse bedürfen, sind sensible Langzeitunter-nehmen, die in verschiedenen europäischen Ländern z.T. seit Jahrzehntenlaufen, jedoch zu unterschiedlichen Ergebnissen geführt haben, aber in denseltensten Fällen zu einem wirklich befriedigenden Abschluß gekommen