1991, Heft 4
Chronik der Volkskunde
411
Bericht vom 24. Internationalen Hafnerei- Symposium desArbeitskreises für Keramikforschung vom 9. bis 14. 10. 1991 inMontabaur
Die ca. 70 Teilnehmer( aus 6 Ländern) des diesjährigen Symposiumstrafen sich im komfortabel ausgestatteten Tagungszentrum der Akademieder Deutschen Genossenschaften auf Schloß Montabaur im Westerwald.Kräftig unterstützt wurde das Treffen durch die Großzügigkeit der StadtMontabaur, die einer Reihe von Gästen aus den neuen Bundesländern, derČSFR, Ungarn und Rumänien die Teilnahme ermöglichte.
Eine glückliche Mischung von„, mehrjährigen“ und erstmaligen Teilneh-mern sorgte unabhängig von den dicht gedrängten Themen für zahlreicheneue Kontakte und vielfältigen Erfahrungsaustausch über breite geographi-sche und keramische Bereiche.
Wenn auch das zentrale Thema, der gastgebenden Landschaft angemes-sen, dem„ Steinzeug" gewidmet war, ca. zwei Drittel der Referate beschäf-tigten sich einschlägig, so bezogen sich weitere Themen wie früher auch aufFragestellungen zu den anderen keramischen Werkstoffen.
Der Eröffnungstag, bereits am Abend vorher hatten sich die meistenTeilnehmer in der attraktiv hergerichteten Fußgängerzone„ privat“ getrof-fen, begann nach einem Grußwort des Bürgermeisters der gastgebendenKommune Montabaur( Possel- Dölken) mit einem regionalspezifischen Re-ferat ,, Tone und Tonbergbau im Kannenbäckerland“( F. Baaden, Ransbach-Baumbach), dessen Aussagen von der Bedeutung des„ Weißen Goldes" amFreitagnachmittag durch die Besichtigung eines großen Abbaugebietes undeiner modernen Aufbereitungsanlage instruktiv abgerundet wurden. DerBericht von R. Hammel( Obernzell) vermittelte einen Eindruck vom weitenVersand wichtiger Rohstoffe in vergleichsweise früher Zeit( 18./19. Jahr-hundert). Die Bearbeitung großer Fundmengen ist gerade in der Mittelalter-und Neuzeitarchäologie ein sich wiederholendes Problem. So fanden dasReferat von W. Czysz( Augsburg) und seine Hinweise auf eigene Erfahrun-gen mit( römischen und vor allem) neuzeitlichen keramischen Großkomple-xen breites Interesse. B. Sielmann( Langerwehe) berichtete in Fortsetzungentsprechender Themen der vergangenen Jahre über die Bemühungen 1888in Langerwehe durch„ Schulung“ das absterbende Töpferhandwerk zu ret-ten, eine Bemühung, die letztlich ebenso scheiterte wie ähnliche Maßnah-men in anderen Regionen Deutschlands. Dem Kupferoxid, dem in Europawohl ältesten Farbgeber der Bleiglasur, in der ungarischen Töpferei, galtdas Referat von G. Duma( Budapest). Neu war sicher für die meisten derTeilnehmer, daß die Farbqualität zwischen gelbgrün und dunkelgrün nichtnur eine Funktion des Kupferoxidanteils und einiger Begleitelemente( z.T.auch von Verunreinigungen) ist, sondern auch von der Brenntemperatur bei