Jahrgang 
94 (1991) / N.S. 45
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Rudolf Šrámek

ÖZV XLV/ 94

Abgesehen von der allgemeinen Funktion der Sprache als einalltägliches Kommunikationsmittel realisiert sich das Verhältnis desVolkskulturellen( und dadurch des Volkskundlichen) zum sprachlichRegionbildenden grundsätzlich in zwei Bereichen:

a) im Bereich der Terminologie im Sinne von Wörter und Sa-chen. Es ist bekannt, daß die im Volksmund geläufigen mundartli-chen Fachtermini( z.B. für Wirtschaftsgeräte, für Verwandtschaftsstu-fen, für Naturbeschreibung usw.) ein regional sehr wirksam differen-zierendes Mittel sind. Auch Schimpfwörter können eine solche Funk-tion besitzen( z.B. das Wort gizd, gyzd- offensichtlich aus dempolnischen übernommen- ist nur für das Randgebiet zwischen Trop-pau[ Opava] und Teschen[ Český Těšín] typisch). Bei regionalenUntersuchungen steht deshalb die Volkskunde, insbesonders die Ethno-graphie in engster Beziehung zur Dialektologie und umgekehrt. Regio-nale Sprachatlanten besitzen ein hohes Maß an Ethnographisierung;

b) im Bereich der Texte, der Kommunikate: Volksprosa wie Sagen,Märchen, Erzählungen, Schwänke, Witze, Memorate, Volksliedtexte,die Forschungsobjekte der Folkloristik sind. Regional abgrenzendkönnen nicht nur Sujets, Motive und das ganze Repertoir samt dem Leben der Folklore, sondern auch die sprachliche Bearbeitung derTexte sein. Unter dieser ist mehr als nur eine Aufzählung von regionaltypischen Wörtern oder grammatikalischen Formen zu verstehen. Vielwertvoller sind Hinweise auf den stilistischen Wert der Texte, aufPhrasen, Metaphern, Redewendungen, auf Koseformen von Perso-nennamen, auf Onomatopia und Empfindungswörter, weil sie in derregionalen Sprache( Mundart) fester als Gattungsnamen eingewurzeltsind und dadurch eine außerordentlich markante Charakteristierungs-fähigkeit besitzen. So werden z.B. im Tschechischen die mit tož also"anfangenden Texte nicht als typisch böhmisch, sondern als( ost) mäh-risch identifiziert, die Koseformen Honza, Honzíček(= Hans, Hän-schen zu Johann, Jan) weisen auf Böhmen, Janík, Janíček auf Süd-und Ostmähren, Janek auf das mährisch- walachische und schlesischeGebiet hin.

Bei Volksliedertexten ist jedoch die sich nur auf ihre mundartlicheGestalt stützende Zuordnung in eine Region sehr problematisch, dadas Sprachliche dem Musikalischen( dem Rhythmischen, der Vers-verbindung) untergeordnet ist. Außerdem muß bei Liedern immer miteiner großen und in ihrer Richtung und ihrem Ausmaß unerwartetenMigration gerechnet werden, wodurch ein umfangreicher Variie-