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Literatur der Volkskunde
ÖZV XLV/ 94
aber fundierte Einbindung in die Kultur- und Rechtsgeschichte des Ziment-wesens vor allem in Österreich( S. 7- 11). Weisen schon die geläufigenNamen der verschiedenen Maßeinheiten heute noch sprachlich sehr weit,nämlich vielfach auf das Griechische und Lateinische zurück, so setzenbereits mit dem ältesten Wiener Stadtrecht von 1221 zahllose Normierungender verschiedensten Maßsysteme durch Landsherren und Obrigkeiten ein,die in Österreich erst mit dem Gesetz vom 23. 7. 1871 über die„ neue Maẞ-und Gewichtsordnung“ unter Kaiser Franz Joseph I. eine annähernd voll-ständige Vereinheitlichung wenigstens in den Hauptmaßen erfahren haben.
Die große Vielfalt der dazu dienenden Gerätschaften und Meßinstrumen-te wird schon an den hier systematisch zusammengestellten 190 Stücken desMuseums sichtbar. Vertreten sind Waagen und Gewichte, Längen- undHohlmaße, Zeitmesser und Zeichenmaße sowie spezielle Weinmaẞe undeinschlägige Bildzeugnisse. Wenn auch nur in der vorgegebenen Bestand-zahl und Auswahl ist das nach Aufbau, Formenvielfalt und Ausgestaltungdieser Dinge von Interesse. Deren Verknüpfung mit dem täglichen Lebennach Gebrauch und Bedeutung wird sichtbar, auch wenn manches andere antatsächlichen Zusammenhängen mit dem wirklichen Leben noch daranhängt und von der Volkskunde her belangreich erscheint. So wäre etwa beiden Ellenmaßen der Handwerke an deren rituellen Gebrauch als Würdezei-chen und„ Meisterstab“ zu denken³, an die einschneidende Bedeutung derAbläufe bei den Erntearbeiten bei den Säe- Gefäßen und Hohlmaßen wieüberhaupt an den Wandel der Zeitvorstellungen und der Zeiteinteilung inVerbindung mit den„ Zeitmessern“. Sammlung und Katalog halten wirdarum für wichtiger und wertvoller, als es fürs erste nur erscheinen mag.
Oskar Moser
Helmut ADLER, Franz MANDL, Rudolf VOGELTANZ unter Mitarbeitvon Rudolf LEITINGER, Zeichen auf dem Fels- Spuren alpiner Volkskul-tur. Felsritzbilder im unteren Saalachtal. Katalog zur Ausstellung. Unken,1991. 275 Seiten, 161 Abb., 221 Skizzen, 9 Tabellen, Pläne.(= Kniepass-Schriften N.F. Heft 18/19; gleichzeitig Mitteilungen der ANISA, 12. Jg.1991, Heft 2/3)
In Österreich sind bisher etwa 18.000 Felsritzbilder bekannt geworden.Sie befinden sich nahezu ausschließlich in Kalkgebirgen, deren Gestein sichwegen seiner„ weichen“ Oberfläche zum Einritzen von Bildern und Zeichen
1 Vgl. Oskar Moser, Ein Meisterstab der Zimmerleute. In: Volker Hänsel- SeppWalter( Hrsg.), Volkskundliches aus dem steirischen Ennsbereich. FS für KarlHaiding( Schriftenreihe des Landschaftsmuseums Schloß Trautenfels, Band 1).Liezen 1981, S. 173- 182( 7 Abb.).