1991, Heft 3
Literatur der Volkskunde
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verwechselt werden; jenen gab es besonders bei Stallbauten aus ganz be-stimmten Gründen auch in Tirol( Ötztal) oder Bayern usf. Verständlich wirdso, wenn der Verfasser schon im Vorwort„ den raschen Schwund wertvollerhistorischer Bausubstanz“ beklagt und in seiner Schlußbetrachtung zur,, zunehmend landschaftszerstörenden, Behälterarchitektur' in Beton" gutenGlaubens meint:„ Die neuerliche Beschäftigung mit dem, Bauernhaus, dieVerbreitung von Pflege- und Instandsetzungsanleitungen, sind ein sicheresBarometer und signalisieren den Alarmzustand“( S. 151). Sein inhaltrei-ches, mit Fakten dicht gefülltes Darstellungswerk, sollte auch für das östli-che Mitteleuropa unseren Blick schärfen und vor allem helfen, die in allendiesen Ländern geleistete Forschungsarbeit mitzuerfassen und mitzuberück-sichtigen. In der Begeisterung für die Sache und in der überlegten Art seinergrenzüberschreitenden Methode gibt er einiges vor, was Josef Schepersschon viel früher für den europäischen Westen vorgelebt hat. Dafür müssenwir allemal dankbar sein.
Oskar Moser
Gudrun HEMPEL, Waage und Maß. Aus der Metallsammlung des Öster-reichischen Museums für Volkskunde. Katalog mit 27( Mehrfach-) Abbil-dungen. Wien, Österreichisches Museum für Volkskunde- SchloßmuseumGobelsburg, 1991. 88 Seiten.
Die Realien und Instrumente, die der Mensch seit ältesten Zeiten zumMessen und Abwiegen oder Einteilen seiner Lebensgüter benutzt, gehörennicht gerade zu den äußerlich attraktivsten Erscheinungen unseres kulturel-len Überlieferungsfundus. Dennoch bestimmen gerade sie unseren Alltagweit mehr, als wir uns dessen meist selber bewußt sind. Denn auch das„ liebeGeld" hat bekanntlich hier seine Wurzeln. Ohne deren Normen und Regu-lative käme unsere Gesellschaft vermutlich bald in größte Unordnung.Leider hat sich die Volkskunde und ihre Realienforschung bisher dieserDinge nicht allzu eingehend angenommen. Hier denke ich an einen Aus-spruch, den eine meiner besten Volkserzählerinnen, Appolonia Kreuter ausGlödnitz in Kärnten, als Wahrspruch zu einer ihrer Geschichten von einemunredlichen Greisler gebraucht hat und den sie der berühmten„ Armensee-len- Stanzi aus Obdach in den Mund zu legen pflegte:„ Maß und Gewicht,das kommt vors Gericht!"
Mit dem obangeführten Katalog zur Sonderausstellung„ Waage undMaẞ" im Schloßmuseum Gobelsburg/ NÖ. hat sich Gudrun Hempel zweifel-los sehr verdient gemacht, und zwar nicht nur durch die gewissenhafte undentsagungsvolle Aufarbeitung der Metallsammlung des Wiener Museums,sondern auch durch eine genaue Sachbestimmung und durch ihre knappe,