1991, Heft 3
Literatur der Volkskunde
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sowie für die vergleichende Hausforschung Europas schenkt uns EdoardoGellner damit ein dokumentarisches Standardwerk, das vielen Nutzen, abermit seinem prächtigen Bildmaterial zugleich noch mehr Freude bringendürfte.
Oskar Moser
Frank DELITZ, Umgebinde im Überblick. Zu Fragen der Geschichte,Verbreitung und landschaftlichen Ausprägung einer Volksbauweise. Zittau1987. 164 Seiten, mit zahlreichen Farbtafeln und Abbildungen( meist Fo-tos), 3 Karten.
Aus der sächsischen Lausitz erreicht uns neuerdings dieses gut ausgestattete Buch, das offenbar noch in der DDR gearbeitet und vorbereitet werdenkonnte, aber wohl nicht mehr unter deren Zensur erscheinen mußte. SeinVerfasser ist um einen weitgreifenden„ Überblick“ über eine Bauweisebemüht, die heute allgemein und vor allem in der Hausforschung mit demvon Otto Gruner 1893 eingeführten Terminus technicus„ Umgebinde" be-zeichnet wird. Darüber ist in den letzten hundert Jahren schon viel geschrie-ben worden und haben vor allem M. Schnelle, Br. Schier, H. Richter, KonradBedal und Joachim Hähnel grundlegend gearbeitet. Hier handelt es sich umeine landschaftsspezifische Kombination von Blockbau und Fachwerk-Ständerbau, die besonders im sächsisch- niederschlesischen und nordböhmi-schen Grenzraum beheimatet ist, die heute noch in Ostthüringen- Westsach-sen sowie in der Lausitz beiderseits der oberen Neiße zwei„ Kerngebiete“ihres Vorkommens aufweist und das Bild einer traditionellen„ Volksbauwei-se" zeigt, sowohl als Bauernhaus wie als Wohn- und Arbeitsstätte derländlichen Heim- und Kleingewerbe( Weber) wie auch als Gasthaus u.dgl.Da diese Bauweise zumindest in Nordböhmen bereits seit dem 15. und 16.Jahrhundert nachweisbar ist und selbst für den Laien eine unübersehbareBaueigenart durch die Verbindung des Block- und Ständerbohlenbaues mitdem Ständerfachwerkbau darstellt, fand sie sowohl örtlich wie regional undüberregional ein besonderes baugeschichtliches Interesse; ihre Verbreitungist in der heutigen Dreiländerecke( Ost) Deutschland- Polen- ČSFR nichtganz leicht überschaubar. Hier hat sich nun Frank Delitz fraglos durch seineRecherchen seit Ende der 70er Jahre in allen drei Staatsgebieten und durchsein ernstes Engagement für die Sache Verdienste erworben. Ihm geht es umeine zwar erst spät einsetzende, aber doch sehr bemühte Nacherhebung dertatsächlichen Baubestände auf Grund der heutigen Möglichkeiten, die frei-lich seit dem Zweiten Weltkrieg überall stark zurückgedrängt wurden. Delitzstützt sich daher gezwungenermaßen auch vielfach auf die ältere topogra-phische Literatur und auf Aufnahmewerke, die er jedoch ebenso wie manche