1991, Heft 3
Literatur der Volkskunde
303
wurde( erinnert sei nur an die einschlägigen Arbeiten von Fischer, Stagl,Hauschild und Lindner). Das vorliegende Protokoll, zweifellos ein ehrlicherVersuch, die Untiefen der Feldsituation und die persönlichen und sozialenImplikationen des Forschungsprozesses offenzulegen, erscheint so ein we-nig post festum. Dennoch? die hier gebotene Schilderung einer„ gescheiter-ten Feldforschung" läßt an Lebendigkeit nichts zu wünschen übrig und ihreLektüre kann jedermann, ob ängstlich angesichts des Feldes oder nicht, zurTrockenübung empfohlen werden.
Herbert Nikitsch
Alexander FENTON, Scottish Country Life. Edinburgh, John DonaldPublishers Ltd., 1989. VIII+ 96 S. mit 35 Schwarz- Weiß- und 146 Farbbil-dern sowie einer Karte.
Bildbände, die nicht Natur und/ oder Kunst, sondern den Alltag einesLandes in den Mittelpunkt stellen, sind an sich schon selten und begrüßens-wert. Wenn die Bilder( und die erklärenden Texte) auch noch von einem derrenommiertesten europäischen Volkskundler stammen, dann steigen Selten-heitswert und Erwartungen.
Letztere werden, das sei vorweggenommen, voll erfüllt: Alexander Fen-ton, einer der Väter der als„ Ethnologia Europaea" verstandenen Volkskun-de, legt hier eine Auswahl seiner in langjähriger Forschungstätigkeit aufge-nommenen Photos vor, Aufnahmen, die den Wandel des Landlebens inseiner schottischen Heimat dokumentieren. In einer ausführlichen, mit hi-storischen Bilddokumenten aus dem Scottish Ethnological Archive verse-henen Einleitung, einer„ Erinnerung an frühere Zeiten“, beschreibt derAutor die verschiedenen Bauernhöfe, Ackerbau und Viehzucht, Saat undErnte, Feldfrüchte und deren Verarbeitung, die tägliche Kost, ländlichesHandwerk, brauchtümliche Ereignisse, Veranstaltungen und Kommunika-tionsformen. Deren Entwicklung in den folgenden„ Bildern aus dreißigJahren“ sichtbar zu machen,„ das Vergangene in der Gegenwart zu zeigen"( so A. Fenton) ist Ziel des Bandes, der zum Denken anregen soll, zumStehenbleiben, Schauen und Lernen Er ist gleichzeitig ein Dank desAutors an sein Heimatland und dessen Bewohner, um deren Leben, derenAlltag und Arbeit einst und jetzt Buch und Bilder eindrucksvoll kreisen,geschrieben und gesehen von einem Wissenschafter„ born between twoworlds".
Eine Karte von Schottland, ein Ortsregister und ein Glossar runden,, Scottish Country Life" ab, dessen Lektüre und Betrachtung ganz sicher dieHoffnungen Fentons erfüllen werden, nämlich„ help us look around with asharper eye as we move through Scotland". Also ein volkskundlich nützli-