1991, Heft 3
Literatur der Volkskunde
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Friedrich HUBER, Fuente Palmera
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eine gescheiterte Feldforschung:
Fort Lauderdale,
Methodenkritische Überlegungen zu einer Gemeindeforschung in Andalu-sien(= Forschungen zu Spanien, Bd. 2). SaarbrückenVerlag Breitenbach Publishers, 1989. 119 Seiten.
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,, Im Grunde mag es absurd erscheinen, eine wissenschaftliche Arbeit übereine gescheiterte wissenschaftliche Arbeit zu schreiben“, heißt es in derEinleitung des vorliegenden Buches, und ursprünglich ist der Autor auchmit ganz anderen Intentionen an seine„ Forschungen zu Spanien“ herange-gangen. Geplant war, in Zusammenarbeit mit einem Agrarwissenschaftlerden Modernisierungsprozeß eines kleinen Dorfes in der südspanischenProvinz Córdoba, einer der ärmsten und wirtschaftlich rückständigstenRegionen Spaniens, zu untersuchen. Erste Eindrücke und Gespräche hatteneine exemplarische ortsmonographische Studie in diesem Ort erfolgverspre-chend erscheinen lassen; schließlich herrschen in Fuente Palmera jeneökonomischen und sozialen Bedingungen, wie sie für weite Gebiete Anda-lusiens charakteristisch sind- ein wenig produktiver Trockenlandbau ist dievorrangige Erwerbsgrundlage, Dauerarbeitslosigkeit und Arbeitsemigrationprägen die Verhältnisse dieser im Zuge eines Kolonisierungsprojektes derspanischen Krone im 18. Jahrhundert vorwiegend mit deutschen Einwande-rern gegründeten Gemeinde. Einzig die ortshistorisch erklärbare Siedlungs-struktur der ehemaligen„ colonia“, die den für die übrige Provinz typischenGroßgrundbesitz nicht kennt, hebt das Dorf aus dem Durchschnitt derRegion, ein Umstand, der neben der agrarwirtschaftlichen Meliorationdurch eine im Bau befindliche kommunale Bewässerungsanlage und derveränderten politischen Situation der nachfranquistischen Ära einen zusätz-lichen Anreiz für die Untersuchung bot: Die Schilderungen einiger Dorfbe-wohner und die Eindrücke des ersten Besuches vermittelten den Eindruckder Fuente Palmerer als einer Art„ Solidargemeinschaft, die kollektiv ihreLebenssituation verbessern wollte", und das Interesse galt so„ dieser verän-derten Haltung der Bewohner von Fuente Palmera gegenüber ihrer Zu-kunft“.( S. 37) Doch dem Vorhaben, unter diesem Aspekt nicht nur denobjektiven sozialen und wirtschaftlichen Prozeß, sondern auch und vorallem die subjektive Wahrnehmung, Interpretation und Verarbeitung dieserRealität durch die Dorfbewohner zu untersuchen, stellten sich„ im Feld"bald beträchtliche und letztlich unüberwindbare Hindernisse in den Weg.
Schritt für Schritt beschreibt F. Huber seine auf fachlicher und auchpersönlicher Ebene enttäuschenden Erfahrungen und Konfrontationen, wiesie jeder Wissenschaftler, der sich„ außerhalb des akademischen Schonrau-mes"( 91) bewegt, Gefahr läuft zu erleben. Er schildert den Einstieg ins Feld,jenen ersten Besuch im Dorf, der trotz oder wegen aller ausgetauschtenVerbindlichkeiten und des einnehmenden Entgegenkommens der künftigen