Jahrgang 
94 (1991) / N.S. 45
Seite
299
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Österreichische Zeitschrift für Volkskunde Band XLV/ 94, Wien 1991, 299- 321

Literatur der Volkskunde

Helge GERNDT, Studienskript Volkskunde. Eine Handreichnung für Stu-dierende(= Münchner Beiträge zur Volkskunde, Bd. 12). München, Münch-ner Vereinigung für Volkskunde, 1990. 200 Seiten.

Im Jahre 1900 hat der in die USA emigrierte Lehrer für deutsche Spracheund Literatur Karl Knortz einen fachlichen Ratgeber mit dem verheißungs-voll- fragenden Titel Was ist Volkskunde und wie studiert man dieselbe?"allen an der jungen, vielversprechenden Wissenschaft der Volkskunde"Interessierten gewidmet, in der er mit allen persönlich- rassistischen undfachlichen, auf die Sammlung von Survivals ausgerichteten Voreingenom-menheiten seiner Zeit eine kurz gefaßte Anleitung bot, ein Volk systema-tisch zu erforschen". Inzwischen ist diese junge, vielversprechende Wis-senschaft in die Jahre gekommen und man ist in ihrem Betrieb, sowohl wasAnspruch als auch Vorgangsweise betrifft, vorsichtiger und sachlicher ge-worden. So nennt sich der vorliegende Wegweiser schlicht und nüchtern Studienskript", stellt sich als nicht auf Dauer angelegt, sondern zumVerbrauch bestimmt vor und prätendiert auch keinerlei Rezepte und Ge-brauchsanweisungen von gesicherter theoretischer Warte, sondern will nur einige Anstöße und ausgewählte Anregungen für die Einarbeitung in dasStudienfach geben. Mit dieser rezenten Handreichung" soll nicht in Si-cherheit gegängelt, soll der Fachnovize vom eigenen Nachdenken undUrteilen nicht suspendiert" werden; denn eine Bemerkung des alten Knortzhat wohl noch heute mutatis mutandis seine Gültigkeit: Wer an Zimperlich-keit leidet, soll sich meinetwegen mit Mathematik oder Nationalökonomie,nicht aber mit Volkskunde beschäftigen, und so wird auch der Leser gleicheingangs mit der Gretchenfrage nach seiner persönlichen Motivation, sichmit dieser Disziplin einzulassen, Volkskundler werden zu wollen, konfron-tiert und dazu aufgefordert, Rechenschaft abzulegen über die halb- oder garunbewußten Impulse, die das spezifische Fachinteresse steuern.

Das ist also ein guter Anfang( wenn auch der Problemkreis Wer wirdEthnograph?" ohne die Nennung einschlägiger wissenssoziologischer Lite-ratur nur leise angetippt und nicht weiter ausgeführt wird); an ihn schließensich in der gebotenen Kürze einer Erstinformation nach einleitenden allge-meinen Bemerkungen zum Aufbau des( Münchner) Curriculums und zurwissenschaftlichen Arbeitstechnik drei Grundkurse" an: Einem wissen-schaftgeschichtlichen Abriß und der klärenden Vorstellung einiger ausge-