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Chronik der Volkskunde
ÖZV XLV/ 94
Auf tschechoslowakischer Seite ermöglichten die gesellschaftlichen undpolitischen Bedingungen der Nachkriegszeit keinen Kontakt mit Österreich,so daß auch keine Untersuchungen bei den niederösterreichischen„ Mäh-rern" realisierbar waren. Die Autoren der tschechischen Monographien„ Podluží“( 1962),„ Náš kraj“( Unsere Region, 1982) und„ Podluží v lidovépísni“( Das Podluží- Gebiet im Volkslied, 1988) haben feststellen müssen,daß es ,, über den gegenwärtigen Zustand in den angeführten niederösterrei-chischen Dörfern keine objektiven Berichte gibt“.
Dank der„, sanften Revolution" im November 1989 wurden für die tsche-choslowakischen Ethnographen neue Bedingungen für wissenschaftlicheUntersuchungen in der Region entlang beider March- und Thayaufer ge-schaffen. Wir betrachten es als unsere Pflicht, wenigstens teilweise dieSchuld unserer Volkskunde zu begleichen. Darum haben wir ein Projekterarbeitet, das sich auf die Rettungsuntersuchungen bei der letzten nochlebenden Generation der„ österreichischen Mährer“ konzentriert, und zwarvor allem in den Gemeinden Rabensburg und Hohenau. Das Projekt stießauf österreichischer Seite sowohl bei öffentlichen Stellen als auch beiwissenschaftlichen Institutionen auf großes Verständnis.
Die Untersuchung bezieht sich vor allem auf die Bewohner der beidenOrte, die noch der„ mährischen“ Sprache mächtig sind. Unser Forschungs-ziel ist es festzustellen, ob einige Überreste der alten„ slawischen“ Volks-kultur noch lebendig erhalten geblieben sind und welchen Charakter siehaben. Besondere Aufmerksamkeit möchten wir dem Prozeß der Auffri-schung von Kontakten zwischen den Menschen beiderseits der Grenze undden Folgen, die diese neuen- jedoch an alte Traditionen anküpfendenBeziehungen für die Volkskultur haben können, schenken. Eine ähnlichkonzipierte Untersuchung findet auch auf der mährischen Seite der Grenzestatt, um die erworbenen Erkenntnisse gegenseitig vergleichen und ihreZusammenhänge erkennen zu können.
Marta Šrámková- Marta Toncrová
Berichtigung
Im Bericht über die Sonderausstellung„ Waage und Maß“ des Österrei-chischen Museums für Volkskunde in der Außenstelle Schloßmuseum Go-belsburg 1991/92 in der letzten Ausgabe der Österreichischen Zeitschrift fürVolkskunde, Band XLV/ 94, Wien 1991, S. 132, wurde der Anfang desgenannten Beitrages sinnstörend wiedergegeben. Richtig soll es heißen:„ ImZuge der weiteren Aufarbeitung und Restaurierung der Metallsammlung desÖsterreichischen Museums für Volkskunde hat sich als diesjährige Thematikdie Sonderausstellung, Waage und Maß angeboten.“