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Chronik der Volkskunde
ÖZV XLV/ 94
Truppenübungsplatzkommandos wären vorhanden. Abschließend wies Ar-nold zwar auf gewisse Grenzen endogener Entwicklung hin, doch machteer trotzdem deutlich, daß Verbesserungen der Situation nur von innen herauskommen könnten und nur in Zusammenarbeit mit dem Bundesheer, mitdessen Anwesenheit zumindest in der näheren Zukunft man sich werdeabfinden müssen. Andererseits erbringe die Stadt Allentsteig allerdings aucheine Leistung für ganz Österreich, die von Bund und Land in irgendeinerForm anzuerkennen und abzugelten sei.
Nicht zufällig folgte auf die beiden letzten Referate die anregendste underregteste Diskussion der gesamten Tagung. Die Bundesheerkritiker, dievon der aktiven Tagungsteilnahme als Referenten von den Tagungsorgani-satoren bewußt ausgegrenzt worden waren, kamen als Diskussionsteilneh-mer hier doch zu Wort. Sie mußten sich zwar manch überhebliche Zurecht-weisung von Unbefugten gefallen lassen, aber die Auseinandersetzung mitden Exponenten des Bundesheeres verlief auf beiden Seiten fair und sach-lich und weckte Sympathien sowohl für die eine als auch die andere Partei.Klaus Arnold bezeichnete zu Eingang seines Referats die Quellenlage zumThema Truppenübungsplatz Allentsteig/ Döllersheim und der umliegendenRegion als sehr gut. Die Region gehört inzwischen zu den bestuntersuchtenvon ganz Österreich. Historiker verschiedenster Sparten, Volkskundler,Wirtschaftsfachleute und zuletzt auch Naturwissenschaftler haben das Ge-biet eingehend durchforscht. Das Gedenkjahr 1988 hat in dieser Hinsichtbedeutende Impulse gesetzt. Diese jüngste Tagung des Instituts für Landes-kunde- sie war übrigens die letzte unter der profilierten Leitung des in diePension scheidenden Institutsleiters Hofrat Univ. Prof. Dr. Helmuth Feigl-ist wohl als Schlußpunkt eines zumindest vorläufig ausgereizten Themas zusehen. Operation beendet, Patient tot, ist man versucht sarkastisch zu for-mulieren. Kann man hoffen, daß es anders kommt?
Margot Schindler
Bericht über ein laufendes Projekt des Instituts für Ethnogra-phie und Folkloristik der tschechoslowakischen Akademie derWissenschaften in Brünn über„ Das Schicksal der Reste dertschechischen Volkskultur im Marchfeld"
Selbst während der fast fünfzig Jahre dauernden Undurchlässigkeit derGrenze zwischen Mähren und Niederösterreich am Zusammenfluß derThaya und March behielt jener Satz seine Richtigkeit, den Jan Herben imJahre 1885 in seiner Studie„ Bratři naši v Dolnich Rakousich"( UnsereBrüder in Niederösterreich) geschrieben hat:„ Seit Menschengedenken war
1 Slovanský sborník, IV, Praha 1885, 31- 34, 94- 96, 138–142, 182- 186,253-258, 306 314.