Jahrgang 
94 (1991) / N.S. 45
Seite
273
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1991, Heft 3

Mitteilungen

Infolk- Das Informationssystem für Volksliedarchivein Österreich

Von Dorli Draxler und Maria Walcher

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Das genannte Forschungsvorhaben wurde von Frau Dr. Gerlinde Haid mitdem Ziel konzipiert, Voraussetzungen für den fachspezifischen Zugang derin den Volksliedarchiven gesammelten Bestände zu schaffen. Ein überge-ordnetes Regelwerk mit vollständiger Vorschrift für die formale Erfassungund inhaltliche Erschließung der Dokumententypen Lied, Instrumentalmu-sik, Photo und Dia wurde erstellt; das heißt, daß innerhalb der Erarbeitungeines Nachschlagewerkes zur Systematisierung der Österreichischen Volks-musik vor allem in der Entwicklung von Karteikarten ein Schwerpunkt lag.Wozu Karteikarten? Diese sind wichtig für jeden, der zum Beispielwissen will, woher ein Lied stammt, wie viele Strophen es in dieser Fassunggibt und wer es vorgesungen oder aufgeschrieben hat. Es gibt sie nunumfassend und analytisch als erweiterte Karteikarte und verringert als,, reduzierte Karteikarte. Wenn man nämlich bedenkt, daß allein in Nieder-österreich zirka 45.000 Melodien archiviert sind( österreichweit zirka200.000!), so ist auch leicht verständlich, daß zu umfangreiche Erfassungs-blätter einen zu großen Zeitaufwand für eine möglichst rasch zu realisieren-de Umstellung auf EDV bedeuten würden. Die erweiterten Karteikarten"eignen sich eher für gezielte Projekte oder Einzeluntersuchungen, außerdemsollten musikanalytische Fragestellungen nicht vorweggenommen werden,da es sich hier mitunter um subjektive Interpretationen handelt. Mit demAbschluß dieses Regelwerkes sind wir auch unserem Fernziel und Grün-dungsgedanken der Gesamtausgabe der Österreichischen VolksmusikCOMPA( Corpus Musicae popularis Austriacae)- näher gekommen.

In den vergangenen zehn Jahren haben sich Fachleute, Praktiker undInteressierte einmal jährlich anläßlich der schon erwähnten Jahrestagungenin Strobl am Wolfgangsee getroffen, um über die Österreichische Volksmu-sik nachzudenken, um sie zu systematisieren. In den letzten zweieinhalbJahren war es dann auf Grund der Finanzierung von zwei Werkverträgendurch den, Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung mög-lich, die zahlreichen und umfangreichen Ergebnisse der sogenannten Com-pa- Tagungen, der einschlägigen Sitzungen, Tagungen und Seminare zukoordinieren und zusammenzufassen, zu ergänzen und auszuwerten.

An dieser Stelle möchten wir aus dem Vorwort zu diesem Werk zitieren: Die vorliegende Systematisierung zur Österreichischen Volksmusik alsGemeinschaftsarbeit der Fachkräfte in Österreich ist daher nicht nur eineNeuorientierung für die Archivarbeit, sondern auch eine erste Dokumenta-tion von gemeinsam vereinbarten und anerkannten Definitionen.