Österreichische Zeitschrift für Volkskunde
Band XLV/ 94, Wien 1991, 216–231
Gedanken zur gegenwartsorientierten Hausforschungim Burgenland
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Von Vera Mayer
Die Erforschung der Bau- und Wohnkultur in der Gegenwart stelltseit der Gründung des Institutes für Gegenwartsvolkskunde einesseiner wichtigsten Forschungsprojekte dar.' Schon die erste- 1976 inZusammenarbeit mit dem Österreichischen Museum für Volkskundeveranstaltete Ausstellung war dem Thema„ Wandlungen des länd-lichen Wohnens in der Gegenwart" gewidmet.² Handelte es sich beidieser Ausstellung ausschließlich um die Veränderungen der altenBausubstanz und deren gegenwärtigen Stand, so hat man sich beieinem weiteren Projekt- Strukturwandel der Bau- und Wohnkulturim Burgenland- als Ziel gesetzt, neben den Veränderungen alterhistorischer Bausubstanz die neueren Haus- und Wohnformen diesesJahrhunderts zu berücksichtigen. In vorliegendem Beitrag sollen die,für die Erforschung gegenwärtiger Haus- und Wohnkultur im Burgen-land wichtigen theoretischen und methodischen Denkanstöße aufge-zeigt werden.³
1 Neben dem Forschungsprojekt„ Strukturwandel der Bau- und Wohnkultur imBurgenland", das bereits abgeschlossen ist und dessen Ergebnisse in einerumfassenden Publikation publiziert werden, läuft derzeit ein weiteres Projekt,das die städtische Wohnkultur in Wien zum Thema hat. Die ersten Ergebnissedieses langfristigen Forschungsvorhabens wurden bereits in einer Ausstellung,, Wohnkultur in Wien. Vom Biedermeier bis heute, die vom 12. 12. 1990 bisEnde September 1991 im Österreichischen Museum für Volkskunde zu sehenwar, der Öffentlichkeit präsentiert.
2 Siehe dazu Leopold Schmidt, Wandlungen des ländlichen Wohnens in der Ge-genwart. Ausstellungskatalog. Wien 1976.
3 Aufgrund unserer Aufgabenstellung- Ziel war es, das von Arthur Haberlandt inseinem 1935 als 26. Band der Österreichischen Kunsttopographie herausgegebe-nen Werk„ Volkskultur des Burgenlandes. Hauskultur und Volkskunst“ erfaßteMaterial mit dem heutigen Baubestand zu konfrontieren- war auch die Ausein-andersetzung mit dem Hausforscher Arthur Haberlandt und der burgenländischenHaus- und Siedlungsforschung in der Zwischenkriegszeit notwendig. Ein Beitragzu dieser Problematik ist ebenfalls für den Druck vorbereitet.