1991, Heft 2
Literatur der Volkskunde
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Pamfil BILȚIU, Poezii și povești populare din Țara Lăpușului(=Folclor din Transilvania, X). București, Editura Minerva, 1990,XLIII, 542 Seiten.
Es ist erstaunlich, wie viele Materialien an Volksliedern und Volks-erzählungen in Rumänien( und anderswo auf dem Balkan) nochimmer zu finden sind. Die hier vorgelegten Texte 750 Lieder und50 Prosa- Fassungen- stammen zum kleineren Teil aus den siebzigerJahren und zum größeren aus den achtziger Jahren unseres Jahrhun-derts. Und die gebotenen Versionen stammen nicht nur von Greisenund Greisinnen( bis zum Alter von 94 Jahren), sondern sie wurdenauch von jungen Burschen und Mädchen ab 20 vorgetragen.
Sicherlich handelt es sich zu einem erheblichen Teil um Variantenzu Stoffen und Motiven- wie der berühmten Minoritaballade- diebereits bekannt sind, aber auch die hier abgedruckten Fassungen sindoriginell. Lediglich die Einleitungs- und Schlußformeln halten sichmit geringen Veränderungen an die archaischen Formulierungen die-ser großen Hirtentragödie.
Daneben gibt es aber auch eine Reihe von Volksliedern aus demJahreskreislauf mit durchaus eigenwilligem Gepräge, vor allem beiden Hochzeitsliedern und den Totenklagen.
Bei den Balladen unterscheidet Bilțiu zwischen dem Haupttypuseines jeden Stoffes und den Neben- oder Untertypen. In der Reihen-folge hält er sich dabei an die Klassifizierung von Al. Amzulescu, wasden Vergleich mit den Balladen- Beständen anderer rumänischerLandschaften erleichtert. Eine Zeilenzählung hätte dabei vielleichtmehr Übersichtlichkeit verschafft.
Nicht nur rein äußerlich( 100 Nummern im Umfang von fast 120Seiten) ist das Balladen- Kapitel gewichtig, ihm entspricht die Aussa-gekraft der epischen Eindringlichkeit mit scharf- gezeichnetenSprachbildern.
Mehr traditionell sind die Totenklagen und die Liebeslieder. Hierwird man ohne Kenntnis der Melodien schwer ein Urteil über daseinzelne Lied abgeben können.
Auch die Märchen und Schwänke stammen aus neuester Zeit. IhreTexte wirken sehr lebendig, zumal in der Akzentuierung der direktenRede in den Dialogen und in der fließenden Handlungsführung. DieFiguren sind die üblichen mit einer Betonung der dämonischen Ge-stalten, die jedoch selten im Detail geschildert werden. Ansonsten