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Literatur der Volkskunde
ÖZV XLV/ 94
beispielsweise über die mit dem Exemplum verwandten rhetorischenFiguren und die als Exempel verwendeten Gattungen( Casus, Fall,Beispiel, Fabel, Anekdote, Apophthegma, Denkwürdigkeit, Fazetieusw.) oder über die zitierten mittelalterlichen Autoren zu finden.Gottfried Kompatscher
María GUEVARA DÍAZ, Folklore araucano. Estudios cuentosorales. Segunda Edición, o.O. 1988, 80 Seiten.
Der Wert dieser kleinen Broschüre liegt im Überblick, den er zurErforschung der aurakanischen Volkserzählungen bietet. Zurückge-griffen wird zunächst auf die ersten Ansätze kurz vor der Jahrhundert-wende, die vor allem im Zeichen von Rudolf Lenz standen. Aber erstmit dem Eintreten der Sprachwissenschaft in ein spezifisches Inter-esse für das Idiom der Mapuche wird nach Meinung der Autorin dasSammeln mehr systematisch betrieben. M. J. de Augusta hat nicht nureine Grammatik des Aurakanischen geschrieben und ein Lexikongeschaffen, sondern zusammen mit Siegfried Fraunhäusl Texte ausder mündlichen Überlieferung ediert.
In Fortsetzung wird ein kurzer Abriß der verschiedenen Ausgabenvon Volkserzählungen in Chile und Argentinien mit einzelnen Text-proben gegeben. Wir stoßen dabei nochmals auf einen deutschenNamen: Berta Koessler- Ilg, die, von Friedrich von der Leyen ermun-tert, drei Bände araukanischer Märchen herausgebracht hat.
Endlich wurde durch Yolando Pino Saavedra die Forschung syste-matisiert und in den Bereich der internationalen Volkserzählfor-schung eingebracht.
Von Sperata R. Saunière wird nur die Ausgabe der„ Cuentos popu-lares chilenos y araucanos“ von 1975 erwähnt und übersehen, daßdiese Sammlung bereits 1918 erstmals erschienen ist. Der Name vonFritz Krüger fehlt ganz; allerdings sind seine Texte nie auf Spanischerschienen.
Von diesen Lücken abgesehen, ist das Heft ein Bericht über einwichtiges Kapitel der Erzählforschung.
Felix Karlinger