Jahrgang 
94 (1991) / N.S. 45
Seite
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1991, Heft 2

Literatur der Volkskunde

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hen aus dem 15. Jahrhundert vor und ist auch heutzutage ein beliebtesHandschuhmotiv. Diese Ornamentik bezieht sich wahrscheinlich aufdie vielfältige kultische Bedeutung der Schlange im lettischen Bau-ernleben. Bedenkt man, daß die Ringelnatter- Ornamentik auch in derTripolje- Kultur vorkommt, so könnte man annehmen, daß es sich umein Relikt des altindoeuropäischen Natterkultes handelt.

Seit Ende des 19. Jahrhunderts übten die Musterbücher und dasmoderne Kunstgewerbe einen beachtlichen Einfluß auf die Ornamen-tik der lettischen Handschuhe aus.

Das Buch ist ein hervorragendes Dokument der lettischen volks-kundlichen Forschungen.

Béla Gunda

Peter VON MOOS, Geschichte als Topik. Das rhetorische Exem-plum von der Antike zur Neuzeit und die historiae im Policratus"Johanns von Salisbury(= Ordo. Studien zur Literatur und Gesell-schaft des Mittelalters und der frühen Neuzeit, 2). HildesheimZürich- New York, Olms, 1988, XLVII, 656 Seiten.

Die Medien bedienten sich eines historischen Beispiels, um imvergangenen Herbst den Überfall der Truppen Saddam Husseins aufKuwait und die scharfe Reaktion der internationalen Staatengemein-schaft zu beschreiben und zu deuten: Saddam Hussein sein ein zweiterHitler, Kuwait sei wie 1938 Österreich oder das Sudetenland nur daserste Opfer eines unaufhaltbaren Machtstrebens, dem so lehre dasgeschichtliche Beispiel- in seinen Anfängen Einhalt geboten werdenmüsse.

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In solchen Vergleichen spiegelt sich das unserem heutigen wissen-schaftlichen Geschichtsbegriff fremde Verständnis von der Geschich-te als Lehrmeisterin des Lebens( historis magistra vitae). Doch ebendieser anthropologisch deutbare Glaube an die Wiederholbarkeit derGeschichte prägte bis herauf ins 18. Jahrhundert in starkem Maßeauch die wissenschaftliche Beschäftigung mit der Vergangenheit undfand in zahlreichen geschichtsphilosophischen und pädagogischenTraktaten ihren Niederschlag. Den theoretischen Grundlagen und denkonkreten sprachlichen Ausprägungen dieses Denkens in Exempelngeht der Literaturwissenschaftler Peter von Moos im vorliegendenumfangreichen Werk nach. Geschichte als Topik baut in vorbild-