1991, Heft 2
Literatur der Volkskunde
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Zielort vor dem Wirtshaus oder neben der Kirche. Die Inschriftenwurden bereits zu Hause ausgemeißelt, an der Verkaufsstelle kamennur mehr Namen sowie Geburts- und Todesdaten dazu. Nach getanerArbeit stellte der Steinmetz den Grabstein im Friedhof auf. Für einKreuz an der Straße, vor dem Wohnhaus, erhielt der Steinmetz in den40er Jahren ein Kalb, ein Schwein, acht Gänse und vier Doppelzent-ner Weizen. Auch die runden Schleifsteine wurden von Dorf zu Dorfbefördert und gegen Wein getauscht. Seit Ende des vergangenenJahrhunderts entwickelte sich zwischen den Ackerbauern und denSteinmetzen eine gesellschaftliche Spannung. An katholischen Feier-tagen nahmen die Steinmetzen unter eigenen Fahnen an den Prozes-sionen teil, auch in der Kirche saßen sie in eigenen Bankreihen undeine gewisse politische Organisation begann in ihren Reihen. DieGesteinarbeiter und Steinmetze des Börzsöny- Gebirges waren auchin anderen Gegenden Ungarns und sogar im Ausland( Frankreich)willkommene Arbeitskräfte. Eine vorzügliche Bibliographie undzahlreiche Fotos ergänzen das Buch von J. Hála.
Béla Gunda
Mirdza SLAVA, Latviešu rakstainie cimdi( Bunte gestrickte Hand-schuhe der Letten). Riga, Verlag Zinatne, 1990, 176 Seiten. Mitdeutscher und englischer Zusammenfassung.
Die ältesten archäologischen Funde bunter gestrickter Finger- undFausthandschuhe stammen aus dem 15. Jahrhundert. In Nord- undOsteuropa sind dies die ältesten Handschuhfunde. Die ältesten Hand-schuhe der lettischen Museumssammlungen stammen aus dem 18.Jahrhundert, diese sind Hochzeits-, Festtags- und Arbeitshandschuhe.Die Finger sind meist weiß und nicht gemustert. Das Muster derArbeitshandschuhe ist dunkler, die Festtagshandschuhe sind bis heutereicher ornamentiert. Je nach Regionen ändert sich die Ornamentik.Aus Letgale sind uns auch Pflanzenmuster bekannt, die aber neuerenUrsprungs sind. Die Bevölkerung der Umgebung von Bauska be-wahrte die Eigenarten der Volkskunst der früher dort lebenden Voten,eines finno- ugrischen Volkes, welches sich im 18. Jahrhundert mitden Letten vermischte. Im Leben des lettischen Volkes hatte derHandschuh verschiedene gesellschaftliche Funktionen. Nach der Ge-burt des ersten Kindes schenkten die Eltern den Verwandten Hand-