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Literatur der Volkskunde
ÖZV XLV/ 94
József HÁLA, A Börzsöny- vidéki kőbányászat és kőhasznositás aXIX- XX. században( 19th- 20th Century Quarrying and Stone Utili-zation in the Börzsöny Area). Budapest, Verlag L. Eötvös- Universität,1987, 232 Seiten. Mit englischer Zusammenfassung.
In Ungarn sind in den letzten 20 bis 30 Jahren mehrere wertvolleBücher und Aufsätze über den Steinabbau und die Steinverarbeitungerschienen, Höhlenwohnungen und Steinbauten eingeschlossen. Zudiesen Werken gehört das Buch von József Hála, in dem der Steinab-bau und die Steinmetzarbeit im Börzsöny- Gebirge, nördlich vonBudapest, behandelt werden. Eingangs wird die Geschichte der ein-schlägigen ungarischen ethnographischen Forschungen geschildert.Anschließend erfahren wir aus der Siedlungsgeschichte des Börzsö-ny- Gebirges, daß sich neben den Ungarn bereits im 12. Jahrhundertauch deutsche Siedler am Steinabbau und an der Steinmetzarbeitbeteiligten; ihnen schlossen sich im 17. Jahrhundert weitere Einwan-derer aus Niederösterreich und Sachsen an. Im 18. bis 20. Jahrhundertarbeiteten auch kroatische, dalmatinische, italienische, polnische undslowakische Steinmetzen im Börzsöny- Gebirge. J. Hála beschreibtdie technischen und gesellschaftlichen Voraussetzungen zum Erler-nen des Steinabbaues und der Steinmetzarbeit, sowie die Arbeitsge-räte, von denen manche mit deutschen Termini bezeichnet sind. Dieeinzelnen Gesteine wurden unterschiedlichst benannt. Man sammeltedie abgerundeten Bachsteine, um sie in entfernten Dörfern zu verkau-fen. Ganze Straßen wurden mit Bachsteinen gepflastert. BesondereTechniken wurden beim Transport und der Verarbeitung von Steinenverwendet. Bis auf die Ecksteine wurden zum Mauerbau Steine vonunregelmäßiger Form und verschiedener Größe benützt. Aus Steinwurden Einzäunungen, Bänke, Torpfosten( am oberen Ende zweilenin der Form eines Menschenkopfes behauen), Tröge und Brunnen-kränze angefertigt. Zu Beginn des Jahrhunderts standen die Brunnennoch entlang der Straße; zehn bis zwölf Häuser hatten je einenBrunnen, dessen Reparatur und Reinigung dem sog. Brunnenrichteroblag. Erst gegen Ende des 18. Jahrhunderts wurden auch Grabsteinehergestellt, in manchen reformierten Friedhöfen von slowakischenSteinmetzen. Im Börzsöny- Gebirge wurden oft vor den Häusern, amDorfrand sowie entlang der Wege Steinkreuze errichtet. Die Grabstei-ne wurden im Leiterwagen auch in entlegene Dörfer befördert. DieFahrt begann um den Allerheiligentag und endete im jeweiligen