Jahrgang 
94 (1991) / N.S. 45
Seite
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Literatur der Volkskunde

ÖZV XLV/ 94

Popularität gebracht haben, sondern es kommen auch alltäglicheGrußformen religiösen Charakters und Wünsche zur Sprache; im Bildwerden kleinere Prozessionen mit lokaler Eigenart gezeigt.

Ein weiterer Abschnitt gilt der Volksmusik und ihren wichtigstenInstrumenten wie Xeremies( Dudelsack), Flabiol( der Piccolo- Block-flöte) und den verschiedenen Tamburin- und Trommelarten.

Der letzte Teil bringt Menschen aller Altersstufen und danebenauch ausgewählte Bilder der schlichten Baukunst.

Die Funktion dieses Bandes war offensichtlich keineswegs, die fürden Tourismus gedachten Produktionsbände um ein weiteres Exem-plar zu vermehren, dazu wäre das Dargebotene zu nüchtern und karg,vielmehr an Josep Pons Frau zu erinnern und mit seinen Augen denMenschen der Insel Mallorca zu zeigen, wie er ausgesehen hat, ehedie Neuzeit das Antlitz dieses Raumes gründlich verändert hat. DiesesZiel ist den drei Herausgebern voll zu erreichen gelungen. Der doku-mentarische Wert von Bildern und Texten entspricht sich, und seltenist ein Buch in unseren Tagen erschienen, das so sehr auf jeglicheRomantisierung der Vergangenheit zu verzichten wußte.

Felix Karlinger

Reinhold REITH( Hrsg.), Lexikon des alten Handwerks: Vom Spät-mittelalter bis ins 20. Jahrhundert. München, C. H. Beck, 1990, 352Seiten, 36 Abb.

Die Werkwelt einer Vielzahl spezifischer alter Handwerke undGewerbe fand bereits in der Frühneuzeit und spätestens bei denEnzyklopädisten ein reges und sachlich differenziertes Interesse;entsprechend nachhaltig war daher schon im 18. Jahrhundert auch derliterarische Niederschlag. Wer freilich einer bestimmten handwerks-geschichtlichen Frage nachzugehen versuchte, der war bisher einermühseligen und oft enttäuschten Nachsuche nach ausreichender Aus-kunft und brauchbaren Quellen ausgeliefert. Das obzitierte handlicheBuch scheint diese Schwierigkeiten um eine allseitige Kenntnis deralten Handwerke erkannt zu haben und sein Herausgeber versuchteinleitend eine neue und zeitgemäße Positionierung derselben imSinne eines umfassenderen und verstärkten Nachdenkens über diesewichtigen Formen seiner Arbeits- und Sozialwelt innerhalb einergroßen Zeitspanne vom 13. bis zum 20. Jahrhundert zu treffen.