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Literatur der Volkskunde
ÖZV XLV/ 94
Ernö KUNT( Hrsg.), Bild- Kunde. Volkskunde, Beiträge der III. Inter-nationalen Tagung des Volkskundlichen Bildforschung Kommittee beiSIEF/ UNESCO( sic!), Miskolc 1990, 382 Seiten mit zahlreichen Abb.
Rechtzeitig vor der IV. Internationalen Tagung der SIEF- Kommis-sion für volkskundliche Bildforschung in Innsbruck( 1990) erschie-nen die Ergebnisse der III. Konferenz in Miskolc( Ungarn). AlsHerausgeber des stattlichen Bandes zeichnet Ernö Kunt, dessen Kom-petenz auf diesem Gebiet spätestens seit 1984( Lichtbilder undBauern, ZfVk) auch im deutschen Sprachraum bekannt und aner-kannt ist.
Es ist zunächst als erfreuliche Tatsache festzuhalten, daß die 1984gegründete Kommission für volkskundliche Bildforschung seitherkräftige Lebenszeichen von sich gibt und in bisher vier Arbeitstagun-gen( Lund 1984, Göttingen 1986, Miskolc 1988, Innsbruck 1990)nicht nur die thematische Breite der volkskundlichen Bildforschungangedeutet hat, sondern auch das überaus große internationale Inter-esse an diesem Bereich spiegelt.
Wenn auch jeweils Schwerpunkte gesetzt wurden, so waren diesein allen Fällen breit genug, um in jeder Hinsicht heterogene Ergeb-nisse hervorzubringen; so auch in Miskolc, wo 29 Referenten aus 14Ländern unterschiedliche Zugänge zum Bild im bäuerlichen Lebens-bereich suchten. Die inhaltliche Streuung der Beiträge wirkt viel-schichtig und scheint die internationale Breite im Zugriff zum Kon-greẞthema wiederzugeben! Die Spannweite reicht dabei von derDruckgraphik über Möbel und Grabdenkmäler als Bildträger, überMalerei, Buchillustrationen, Plastik, Fotografie, die Auseinanderset-zung mit einzelnen Künstlerpersönlichkeiten bis zum wohl populär-sten Bildträger der Gegenwart- dem Fernseher.
Ebenso unterschiedlich wie die Themen sind die Ansatzmöglich-keiten: formal- deskriptiv, historisch- analytisch bis zur Interpretationrezenter visueller Ausdrucksformen.
Die große Zahl an Beiträgen macht es einem Rezensenten unmög-lich, die Arbeiten im einzelnen zu diskutieren. Ich will mich deshalbdarauf beschränken, Beispiele quasi pars pro toto vorzustellen: Alseiner der ersten Autoren vermittelt Nils Arvid Bringéus„ Die Bot-schaft der Bauernbilder“. Er läßt dabei fast programmatisch einendoppelten Bildbegriff entstehen: Er untersucht Bilder, um darausBilder zu formen; anders gesagt: Es geht ihm um Topoi in der