Jahrgang 
94 (1991) / N.S. 45
Seite
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Literatur der Volkskunde

ÖZV XLV/ 94

Die kunstgeschichtlichen Stilrichtungen erschienen zuerst bei öf-fentlichen Gebäuden und verbreiteten sich aus dem Stadtzentrumüber die Nebengassen bis zum Stadtrand. Bereits vor zwei bis dreiJahrhunderten wurde die Architektur durch behördliche Maßnahmenbeeinflußt, so wurde z.B. die Errichtung von Schornsteinen verordnet,die Größe der Fenster und die Höhe der Zäune bestimmt, in der Stadtdurften keine Grubenhäuser und im Hof freistehende Öfen gebautwerden. Große Veränderungen verursachten in der Architektur dieFeuersbrünste, die in den vergangenen Jahrhunderten keine Seltenheit

waren.

Der Verfasser sieht die Architektur als organisches Ganzes. In dendrei Städten spiegeln sich in der Architektur nicht nur die sozio- öko-nomischen Unterschiede und die historischen Schichten, sondernauch das Zusammenwirken der Bevölkerung. Im Wohnhaus verkör-pert sich die Lebensweise. Das Alte, das Archaische, das einfachehängt nicht nur mit dem ethnischen Konservativismus, dem Beruf( z.B. Hirtentum) oder mit der Armut zusammen, sondern möglicher-weise auch mit der Zweckmäßigkeit.

Das Buch ist ein eminentes Werk der ungarischen Ethnographie.Infolge seiner inhaltsreichen Darlegungen und mannigfaltigen Ge-sichtspunkte wären noch so lange Seiten für eine angemessene Be-sprechung zu kurz. Ausländischen Kollegen dürften allerdings dierecht umfangreichen Resümees in deutscher und englischer Sprachesowie die über 500 Abbildungen zur Orientierung behilflich sein.

Béla Gunda

Tünde ZENTAI, Domus rusticae Baranyiensis. A baranyai pa-rasztházak változása a 18. század végén( Der Wandel der Bauernhäu-ser in Baranya am Ende des 18. Jahrhunderts)(= Publikationen desArchivs der Ungarischen Volksarchitektur, Nr. 3). Szentendre, VerlagUngarisches Freilichtmuseum, 1989, 91 Seiten.

Das Komitat Baranya liegt im südwestlichen Teil des ungarischenTransdanubiens, mit einer Mischbevölkerung aus Ungarn, Deut-schen, Kroaten und Serben. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts( 1785-1786) wurden hier die Baustoffe der Dörfer registriert- diese Zusam-menschreibung wird von T. Zentai analysiert. Aus dem Inventarkönnen wir freilich kein genaues Bild über die Mauertechniken ge-