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Literatur der Volkskunde
ÖZV XLV/ 94
das neue Gefühl für Transparenz“ bis zu„ Die Küstenpathetik und ihreMetamorphosen“. Die Neugier des Lesers ist geweckt, dem Autor, der eineneue Richtung einschlagen will, auf seinen phantasievollen Wegen zu fol-gen:„ Die Spezialisten der Kulturgeschichte haben sich mit der Untersu-chung von Institutionen, Gegenständen und Erfahrungen vertraut gemacht,wagen es aber kaum, sich mit den affektiven Strukturen zu befassen(...)".( Vorwort, S. 9). Es ist ein Buch, dessen Verfasser sich nicht scheut, exaktewissenschaftliche Arbeitsweise( ein ausführlicher Anmerkungsapparat undein 12seitiges Literaturverzeichnis legen davon Zeugnis ab) mit einer fastlyrischen Darstellungsweise zu verbinden, der versucht, mit äußerster Sen-sibilität die Komplexität der Sinneseindrücke einer vergangenen Welt auf-zuspüren und nachzuvollziehen. Er geht über die bloße Auswertung derQuellen und Zeugnisse hinaus und schenkt seine Aufmerksamkeit vielmehrder„ Geschichte der Wünsche, der Neugierden, der Wahrnehmungssystemeund der Bewertungsmodelle, auf denen die Zeugnisse beruhen“( S. 361).Eva Kausel
Walther LIPPHARDT( Hrsg.), Lateinische Osterfeiern und Osterspiele.Kommentar. Aus d. Nachlaß hrsg. v. H. G. Roloff. 3 Bde. Berlin, New York,de Gruyter, 1990, 1122 Seiten.
Als Ergänzung zu seiner sechsbändigen Textedition der lateinischenOsterfeiern und Osterspiele hatte Walther Lipphardt umfangreiches Materialzur Kommentierung der Texte gesammelt, an dessen Publikation ihn der Tod1981 hinderte. Dankenswerterweise legt der Verlag das nachgelassene Ma-nuskript redaktionell bearbeitet in drei Bänden im Schreibsatz vor. Derprimär literaturwissenschaftlich orientierte Kommentar stellt darüber hin-aus realhistorische, baugeschichtliche, musikgeschichtliche und literaturge-schichtliche Bezüge her.
Die in drei durchpaginierte Bände( 1122 S.) aufgeteilten Kommentarebeziehen sich auf die in den vorangegangenen Bänden veröffentlichtenTexte 1- 832: Der Osterdialog am Grabe; Visitatio Sepuldri I.- III. Stufe;Officium Peregrinorum und Ludus Paschalis. Der dritte Teilband enthält einRepertorium der gesungenen und gesprochenen Texte sowie ein neu zusam-mengestelltes Verzeichnis der im Band VI der Textausgabe nicht registrier-ten Handschriften und Drucke. Den Kommentaren zu den einzelnen Grup-pen sind jeweils kurzgefaßte Einführungen vorangestellt, die über histori-sche, geographische und kunstgeschichtliche Gegebenheiten der Spielorte(-landschaften) informieren. Diese kulturgeographischen Zusammenhängeerlauben oftmals erst eine chronologisch genauere Einordnung der Texte. Esfolgt das Aufbauschema des jeweiligen Spieltextes, aus dessen Anordnung