1991, Heft 1
Literatur der Volkskunde
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Kristian SOTRIFFER, Heu& Stroh. Ein Beitrag zur Kultur- und Kunst-geschichte. Linz und Schlanders, Veritas- Verlag und Arunda, 1990, 160Seiten, 175 Abb.
Das modische Wort„ Collage“ suggeriert vermutlich mit Absicht, washier in der Tat zutrifft, nämlich die Manier einer bloß zitierenden Kombina-tion von oft sehr heterogenem und vorgefertigtem Foto- und Textmaterial.Aber dieses sehr hübsch und aufwendig ausgestattete Buch trägt auch denUntertitel vieler wissenschaftlicher Versuche:„ Ein Beitrag zur Kultur- undKunstgeschichte“. Ein solcher ist es freilich nur für den Kenner und Wis-senden; den„ Normalverbraucher“ reizt es eher durch Verfremdung und dieoriginelle Idee an sich.
Man sollte daher zunächst den Vortext mit dem Inhaltsprospekt und vorallem die biographischen Angaben auf dem Waschzettel hinten lesen. Derin Wien lebende, gebürtige Bozner Kristian Sotriffer ist ja kein Unbekann-ter.„ Sein Interessenradius reicht von der Kunst- und Kulturgeschichte biszum Volkskundlichen“. Hier also geht er„ ins Heu" und greift diesen Stoffungefähr nach Versen Walthers auf:„ von grase wirdet halm ze strô/ ermachet manic herze frô.“ Dem geschieht also in sechs kombinierten Wort-Bild- Durchgängen und nicht ohne die alte Klage:„ Diese Kultur verschwin-det vor unseren Augen“( S. 7).„ Heu& Stroh" also zunächst in den Augenvon Künstlern und in Werken der Malerei, angefangen um 1400 vomAdlerturm in Trient und bis herauf zu Mario Terzic und zur arte povera desMario Merz zum ersten. Frappierend schon, wie sehr sich die Bilder glei-chen: das„ Strohobjekt" der ostdeutschen Künstlerin Monika Maria Nowak( S. 48) läßt etwa an die„ Larmstangen" im Vinschgau denken( S. 122/23).Dann folgt die lange Reihe von Zeugnissen altbäuerlicher Arbeit zwischenToscana, Istrien und Tirol, und das geht weiter bis zu den industriellenModifikationen und zum strohumhüllten Merzedes( S. 128) und mündet-bei Sotriffer schon gewohnt- ein in den malerischen Bergebauten für Heuund Stroh als„ Kegel, Kuppeln und Kästen“( in freier Abwandlung nachHans Soeders„ Urformen“)( S. 135 ff.).
Nicht vergessen auch die neuestens europaweit vorkommenden weißenPlastikballen, mit denen seit kurzem erst das Futter auf dem Feld gelagertwird( S. 112).
Daß man somit die vielen Vorrichtungen und Formen zum Trocknen vonGras und Heu und zum Lagern und Stapeln der Halmfrucht im südlichenMitteleuropa zum Gegenstand einer durchaus hübschen Bildersammlungund Textcollage mit bemerkenswerten Lesefrüchten in dieser Aufmachungherausbringt, das ist zunächst durchaus erfreulich. Die Volkskunde findethier auch bei einem solche kühnen Quereinstieg allemal gutes Bildmaterial,das man sich freilich durchgezählt wünschen würde, um es auch leichter