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Literatur der Volkskunde
ÖZV XLV/ 94
Eine zweite wichtige Gruppe von Stichwörtern bringt wertvolle Neuauf-schlüsse zur Sachkultur. So etwa schon„ Tatz“ und„ Tatze“ u.a. für Brems-vorrichtungen an Großschlitten( Sp. 967- 970 bzw. 972- 979); merkwür-dig erscheint mir„ Tatze“ 3c für das Pflugmesser oder Sech aus Gottscheeoder für das„ Blatt" am Stiel des„ Blattrechens“( 3e) nach O. Moro aus demKärntner Nockgebiet( Sp. 976) und andererseits für ein Rasenband inFelswänden im Ötz- und Pitztal, wobei bergmännische Vermittlung denkbarwäre( ebda.). Wichtige und aufschlußreiche Sachlemmata bilden weiters„ Täuche“ für hölzernes Wasserrohr,„ Täuchel“ für Holzrinne sowie„ Tau-fe/ Daube/ Taufel" für die hölzernen Grundelemente von verschiedenen Ge-binden( Sp. 1051- 1054 bzw 1074- 1077). Hier sollte vermerkt werden,wie ausführlich erklärt wird, daß dieses alles bei uns romanische Lehnwörtersind. Noch eine Sachbezeichnung für den Haltezapfen am hinteren Leiter-wagen, das Wort„ Däum( e)“/„ Daumen“ und„ Däumling“ sei herausgegrif-fen, zu dessen Glossierung man wohl auf Olaf Bockhorn, Wagen undSchlitten im Mühlviertel, Linz 1973 und 1978, II, S. 11(„ Damnågl“) undpassim, verweisen müßte, um die etwas unsichere Glossierung zu stützen.
Nicht zuletzt aber gibt in dieser Lieferung das WBÖ vielfältige Aufklä-rung über die mannigfach schillernden typischen Dialektausdrücke wie„ tattern“,„ Tätti“( Vater, Großvater),„ Tatzler"( wo bleibt übrigens der„ Tatzelwurm"?),„ taudern“,„ dauhen“ usw.,„ Taum"( feuchte Luft, Dampf),„ täumisch, täm( p) isch" u.ä.m. Auch das große Stichwort„ Tauern" in seinerschwierigen Fremdherkunft und Verwendung auch als Appelativum( Sp.10401047) mit den wichtigen Literaturangaben zur Geschichte diesesTerminus sollten wir angesichts der ökologischen Nöte unserer Tage nichtübergehen. So bietet auch diese Lieferung des WBÖ mit ihrer ungewöhnlichreichen Materialfülle und grundlegenden Ausstattung unentbehrliche Infor-mationen in vielerlei Hinsicht.
Oskar Moser
Ján PODOLÁK( Zstllg.), Rača. Vydavatel' stvo Ozbor. Bratislava 1989,291 Seiten, zahlr. Abb.
Rača( Ratzersdorf) gehört zu den Vorstadtgemeinden, die in den 40erJahren der slowakischen Hauptstadt Bratislava eingemeindet wurden. Diefortschreitende Urbanisierung der 70er Jahre, die sich besonders in derGründung neuer Siedlungen in den ehemaligen Dörfern manifestierte, ver-anlaßte die ethnographischen Mitarbeiter der Philosophischen Fakultät derKomenský- Universität in Bratislava zu einer ethnographischen Rettungsfor-schung dieser Gemeinden. Das Ziel war, für die nächsten Generationen dasBild der Vorstädte Bratislavas vor ihrem Aufgehen in das moderne Sied-lungsbild der Großstadt festzuhalten und gleichzeitig damit einen Beitragzur Erforschung der Geschichte Bratislavas zu leisten.